17 Oktober 2006

Erste Stunde - 20. September 2006

Eine Woche lang habe ich Zettelchen in den Klassen verteilt und so versucht, Werbung in den Ziel-Klassen zu machen. Der Termin war mit der Schulleitung abgesprochen. Der Mittwoch bot sich deshalb an, weil der Unterricht wegen Lehrerkonferenzen für alle um 13:10 Uhr endet.

Ich war ziemlich gespannt auf meine Schreiberlinge und hatte bisweilen gemischte Gefühle. Einerseits hatte ich den Eindruck, dass ich doch einige in den Klassen ansprechen und begeistern konnte. Andererseits gibt es mittwochs natürlich auch viel AG-Konkurrenz.

Ich war schon ziemlich früh da und ging im Lateinsaal auf und ab. Schließlich rieb ich die Tafel sauber. Da der Wasserhahn nicht funktioniert staubte es sehr stark und ich wurde noch nervöser. Als es schließlich klingelte machte ich die Tür auf und wartete.

Als um 13:15 Uhr immer noch niemand ankam, begann ich ziemlich stark zu zweifeln. Eigentlich hatte meine jüngere Schwester hoch und heilig versprochen, dass sie kommen würde. Hatte sie es vergessen? Hatten es die anderen auch vergessen?

Die Erleichterung folgte erst nach einige zermürbenden Minuten, als Lisa den Raum betrat. Ihr folgten schnell noch weitere Mädchen, sodass ich letztendlich eine angenehme Gruppe von neun Mädels vor mir hatte.

Für den Einstieg hatte ich mich für ein Erzählspiel entschieden. Zunächst stellte sich jede vor. Zwei kamen aus der achten Klasse, fünf aus der neunten und zwei aus der zehnten Klasse. Die zwei Achtklässlerinnen waren noch ziemlich schüchtern, die beiden Zehnklässlerinnen begeisterten mich sofort. Nur bei den Neuntklässlerinnnen war ich unzufrieden. Zwei schienen sehr engagiert, während drei nur störten und giggelten.

Das Erzählspiel hatte ich am Tag vorher vorbereitet. Ich nahm einen großen Wollknäuel in die Hand, der ziemlich ausgebeult war. Grund dafür waren die zahlreichen Zettelchen und kleinen Päckchen, die an der Schnur befestigt waren. Auf den Zettel standen Begriffe, aus denen die Schülerinnen eine Geschichte spinnen sollten. In den Päckchen waren verschiedene Sachen, die ebenfalls in die Geschichte miteinfließen sollten.



Es ging reihum und jeder bekam einen Zettel. Es wurde eine sehr spannende und lustige Geschichte und handelte von einem dicken Mädchen, dass nach Ägypten flog, um sich dort von den Schneemassen zu erholen, die es zu Hause immer hatte. Aber in Ägypten wurde sie verfolgt und bekam Ärger mit einem Zauberer. So kam eins zum anderen und sie wurde in einen Käfer verwandelt. Glücklicherweise konnte sie fliehen, aber der Zauberer verbannte sie schließlich in den Weltall. Im Weltall selbst traf sie auf Außerirdische, die sie in ein Auto verwandelte. Als sie in einen Erdbeermeteoritenschauer kam, weil ihre Scheinwerfer nicht mehr gingen, verlor sie komplett die Orientierung. Alles in allem schaffte sie es doch noch, dass der Zauberer Mitleid mit ihr hatte. Er verwandelte sie zurück, ging zum Hotel, hörte dort aber merkwürdige Geräusche. Als der Strom ausfiel und sie hinausging, lauerte irgendetwas im dichten Geäst des Waldes auf sie.

So kam der letzte Zettel zum Mädchen und ein Ende musste gefunden werden. Gemeinsam kamen wir schließlich zu dem Schluss, dass das Mädchen nur alles geträumt hatte und am Tag vor ihrer Abflug nach Ägypten aufwachte.

Im Abschlussgespräch zeigten sich die Mädels begeistert, da ihnen das Spiel sehr viel Spaß gemacht hat. Außerdem fanden sie es spannend die Zettel und die Päckchen zu öffnen. Dennoch waren einige verwirrt, da es ja eine Schreibwerkstatt sei und sie in der ersten Stunde einen Stift ja gar nicht in der Hand gehabt haben.

Dennoch war ich zufrieden. Mein Ziel war es gewesen die Mädchen langsam an das eigentliche Thema "Schreiben" heranzuführen. Außerdem konnte ich so schon sehen, wie weit die Mädchen waren und war begeistert. Viele hatten in ihrer Vorstellung berichtet, dass sie schon privat Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben und sogar schon den ein oder anderen Roman in der Schublade haben.

Bis auf die drei giggelnden Neuntklässlerinnen war ich sicher, dass alle wiederkommen würden und behielt auch recht.