Zweite Stunde - 27. September 2006
Meine Mädels wollten schreiben, also ging es so auch weiter.
Keine Süßigkeiten lagen mehr auf dem Tisch, dafür aber mein Cd-Player.
Ich begrüßte alle mit der Frage, ob jemand Walter Moers kenne. Meine Mädels tippten auf
einen Schriftsteller. Der Name kam ihnen bekannt vor. Danach versuchte ich es wieder.
"Kennt jemand von euch Gustave Doré?" Außer meiner Schwester meldete sich niemand,
was mich aber nicht verwunderte. SIE kannte das Buch nämlich schon, auf das ich hinauswollte.
"Wilde Reise durch die Nacht" lag als Hörbuch-CD von der Bücherei in meinem Cd-Player und von da an war die Aufgabe klar. Ich spielte ihnen den Anfang vor und sie mussten die Geschichte weiterschreiben. Aber nun einiges zum Buch:

"Walter Moers macht immer alles anders. Und so ist er auch diesmal den umgekehrten Weg gegangen und hat Dorés Kupferstiche zu einem neuen erzählerischen Kabinettstück versammelt. Dabei schickt er den 12-jährigen Gustave in seine eigenen (Alb-)Traumbilder und lässt ihn nach klassischer Märchenmanier (sechs gelöste Aufgaben = Todesaufschub) auf dem Pferd Pancho Sansa im "Reich der Ungeheuer" allerlei Abenteuer mit Fabelwesen, Rittern und Jungfrauen bestehen. Hier hat Gustave gegen treulose Kumpanen und die erste (kurze) Liebe gleichermaßen anzukämpfen. Dazwischen bringen diverse Diener des Todes unseren Helden in immer neue Gefahren: "Wenn er aus den Fluten auftauchte, hatte Gustave die Wahl, gefressen, von Krallen zerfetzt, bei lebendigem Leibe verbrannt oder gekocht zu werden". Er hat also keine Chance -- und die nutzt er gut." (Aus: Amazon Produktbeschreibung)
Der Anfang der Geschichte eignete sich besonders gut. Gustave Doré war Käptn auf der Aventure und er und seine Crew waren mitten in einem schlimmen Sturm, der schlimmer nicht sein konnte. Siamesische Zwillingstornados kamen auf das Schiff zu ...
Das Hörbuch wird von Dirk Bach gelesen und zog meine Mädels gleich sehr in den Bann. Nachdem ich stoppte, zeigte ich das Buch mit der dazu gehörenden Illustration: ein Schiff mitten in einem Sturm, im Hintergrund waren die Zwillingstornados zu sehen.

Und von da an ließ ich sie weiterschreiben. Zuerst dachte ich, dass sie maximal 15 Minuten schreiben werden. Als alle nach 30 Minuten immer noch mucksmäuschenstill waren und fieberhaft weiterschrieben, war ich begeistert. Aber nach 45 Minuten wurde es mir dann doch etwas unheimlich und da die Geschichten noch vorgelesen werden sollten, ließ ich sie langsam zu Ende kommen.
Zuerst traute sich keiner und ich nahm meine Schwester dran. Von Vivi wusste ich, dass sie geübt war und bestimmt keine Hemmungen hatte, jetzt nur ein bisschen schüchtern war.
Und so war es auch. Schnell waren alle begeistert von der lustigen Geschichte der Achtklässlerin, die über das ekelhafte Seeungeheuer Doris schrieb, das mit Leidenschaft Wirbelstürme und Tornados aß.
Als nächstes las die zweite schüchterne Achtklässlerin sogar freiwillig vor. Lisa beschrieb, wie der Sturm abflaute und ein komisches Wesen mit einem lauten Platsch! auf dem Bord landete.
Astrids Geschichte war aus der Sicht des 1. Steuermanns Dante geschrieben, der nach dem Sturm auf einer Insel landete und dort auf Gustave stieß. Sie gestaltete ihren Text herrlich spannend und es war ein geschickter Zug, nicht aus der Perspektive der Hauptperson zu schreiben.
Danach waren alle begierig, Walter Moers Lösung zu erfahren und so spielte ich ihnen das ganze erste Hörbuchkapitel zu (ich fragte, ob ich früher abbrechen sollte, aber die Mädels waren begeistert von einer neuen Figur, die Moers einführte).
Die Schreibwerkstatt endete, wie inzwischen üblich, mit mehr als 15 Minuten Verspätung ;)

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