24. Januar 2007
Diese Stunde wurde gemein – ich gebe es zu. Aber sie forderte die Mädchen auch heraus.
Das Vorbild war eine Klassenarbeit aus der achten Klasse, die ich geschrieben habe. Damals hatten wir für ein halbes Jahr das Thema „Kreatives Schreiben“ im Unterricht behandelt. In der Klassenarbeit bekamen wir ein Bild von Salvadore Dali und sollten es beschreiben, sagen, wie es zu der Situation kam und natürlich auch eine Hauptfigur finden, die das ganze erlebt. Die Aufgabe hat mir damals sehr gut gefallen und so war ich in den Ferien in die Bücherei gegangen und hab mir den größten Bildband von Dali ausgeliehen, den ich finden konnte. Als Surrealisten fand ich ihn passender als beispielsweise den Kubisten Picasso oder den Expressionisten Vincent van Gogh.
Traumwelten sprechen Jugendliche mehr an als zersplitterte Formen, Perspektiven oder Ausdrucksfarben.
Ich suchte mir mehrere Bilder aus und kennzeichnete sie.
Der Seh-Sinn sollte nun bearbeitet werden.
In der Stunde erklärte ich ihnen die Aufgabenstellung (die gleiche, wie in der Klausur) und zeigte ihnen das Bild. Da die Bilder von Dali oft überfüllt und schwer zu erfassen sind, ließ ich mir die Bilder beschreiben. Jeder durfte sagen, was darauf ist oder ergänzen. Den Rest der Stunde ließ ich sie dann schreiben, ging herum und zeigte das Bild.
Sie waren zwar nicht darauf gefasst, aber irgendwann ließ ich sie die Stifte aus der Hand legen und schaute sie amüsiert an. Verwirrend wurde gefragt, ob man den Satz oder die Geschichte noch beenden kann.

Beenden ja, sagt ich, blätterte im Buch herum, bis ich das nächste Bild fand und sagte, dass die Geschichte mit diesem Bild fortfahren wird. Wieder ließ ich mir das Bild beschreiben und wieder entdeckte man viele Kleinigkeiten erst beim zweiten, dritten oder vierten Blick.
Es war eine Herausforderung, die die Gruppe (ohne, das sie es wusste!) noch drei- oder viermal erfüllen musste, bevor ich beim letzten Bild aber klar und deutlich sagte, dass die Geschichte mit diesem abgeschlossen werden musste.
Verschiedene Traumreisen, Expeditionen und Dimensionssprünge kamen dabei heraus, spannend zu lesen und oft auch so anspruchsvoll, wie die Bilder von Dali.

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