21. März 2007
Das große Thema dieser Stunde waren Gefühle, darunter ganz besonders die „Liebe“.
Zuerst fing ich mit der Fragestellung an, wie man sich fühlt, wenn man verliebt ist und sich ankleidet. Oder einen Apfel isst. Oder den Rasen mäht.
Meine erste Schreibaufgabe lautete, dass die Mädels sich eine Tätigkeit aussuchen mussten, die sie in ihrer Geschichte nachgehen, egal, ob Segelboot fahren, lesen, zeichnen oder essen. Jeder hatte die freie Wahl, zwischen einer oder mehreren zu beschreibenden Tätigkeiten zu entscheiden. Alle paar Minuten warf ich jedoch ein Gefühl in den Raum, die in die Geschichte eingearbeitet werden musste.
Hoffnung – Liebe – Hass – Freude – Wehmut – Trauer
Diese Gefühle mussten in die Texte mit eingearbeitet werden. Ich bemühte mich, möglichst unterschiedliche Gefühle zu nehmen, um im Text einen häufigen Wechsel herbeizuführen.
Hier ein Beispieltext von Lisa:
Sonntagnachmittag. Die perfekte Zeit, um nichts zu tun. Oder um zu lesen. Da ich eher letzteres bevorzuge und ich die Hoffnung hatte, heute nicht zur Hausarbeit verdonnert zu werden, lag ich auf meinem Bett und versuchte möglichst geschäftig meine Nase in ein Buch zu stecken. Man lies mir tatsächlich fünf Minuten Ruhe, bevor ich „liebenswürdig“ gebeten wurde, den Rasen zu mähen. Nicht, dass ich eine grundlegende Abneigung gegen Gartenarbeit habe … nun gut, habe ich eigentlich doch – aber im Moment konnte ich mir dreikommasechssieben Milliarden bessere Dinge vorstellen. Auch, wenn Rasenmähen praktisch noch zu den Dingen gehörte, die ich liebte. Trotzdem, in manchen Momenten hatte ich nun mal einen Riesenhass auf alle Arten von Arbeit. Zum Beispiel in diesem Moment. Von einer freudigen Reaktion konnte man also nicht sprechen. Schließlich hatte diese Arbeit nun einen Vorteil: Man musste hinterher nicht mehr das Laub aufsammeln, da schließlich alles schon zerhäckselt wurde. Auch eine Beschäftigung, an die ich mich eher mit äußerst verhaltener Wehmut erinnere. Während ich also diverse Kleintiere von der Rasenfläche verscheuchte, trauerte ich in Gedanken meinem freien Nachmittag nach.
Sie erfüllte die Aufgabe sehr gut. Durch die häufigen Wechsel der Gefühle merkte man, dass die Figur über ihre Tätigkeit reflektierte, was ich ebenfalls beabsichtigt hatte.
Annika schrieb über ihre geliebten Krabbenchips und den Ärger, als ihre Mutter ihren Lieblingschip wegaß. Der Verlust des Chips beschrieb sie gekonnt lustig.
Die Figur von Patricia machte es sich in ihrem Bett gemütlich und dachte darüber nach, wie schön es wäre, das Schlafgemach mit einem Adonis zu teilen. Ironisch zog sie hier über die Männerwelt her.
Astrids Figur hatte Liebeskummer und betrachtete ihr Gesicht im Spiegel. Auch sie reflektierte viel und übertrug ihre Gefühle vom oberflächlichen Ärger über den schmutzigen Spiegel zu der inneren Gedankenwelt.
Diese Übung hatte ich als kleine Einführung geplant.
Umfangreicher wollte ich das nächste Spiel gestalten, in der sich jeder der Mädchen eine bekannte, berühmte Person aussuchen sollte, nach der sie sich sehnten, die sie bewunderten oder mit der sie sich ein Treffen wünschten, die aber unerreichbar ist. Nun trat aber die Situation ein, dass sie diese Person treffen. Oder ihr einen Brief schreiben. Oder einfach nur die Gelegenheit bekommen zu sagen, was sie an dieser Person bewundern.
Auch hier ein Beispieltext von Lisa:
Frankreich hat sicher einige tragische Helden. Doch mein persönlicher Favorit ist immer noch Jeanne D’Arc. Ich meine, für diese Zeit war sie schon erstaunlich emanzipiert. Und auch die oben erwähnte Tragik fehlt nicht. Erst für das Land gekämpft und ungemein christlich gewesen, dann verraten und als Hexe verbrannt. Wurde die Asche nicht in die Seine geworfen? Egal, auf jeden Fall für dieses Zeitalter eine ungewöhnliche Frau, an der sich schon damals die Gemüter geschieden haben.
Eigentlich wollte ich diese Schreibaufgabe nutzen, um auf ihr die dritte und letzte für heute aufzubauen, aber viele wählten Figuren, die nicht alle kannten (beispielsweise die Antigone von Sophokles) und so entschied ich für eine separate dritte Runde.
In der dritten Runde durfte sich jeder eine berühmte, bekannte Person aussuchen und schrieb sie auf einen Zettel. Diese wurden dann gemischt und neu verteilt. Jeder musste dann einen Liebesbrief an diese Person schreiben.
Harrison Ford, Orlando Bloom, Adam Opel, Ville Vallo und Till wurden verteilt und den einzigen richtigen Liebesbrief bekam nur Orlando Bloom. Die anderen bekamen teilweise charmante Briefe, die einschleimend nach Liebe trieften, aber auf ein anderes Ziel abzielten, als den Absender zu betören.
Ville Vallos Brief gehörte zu dieser Sorte. Nach vielen Liebkosungen wurde nach der Nummer des Schlagzeugers gefragt.
Harrison Ford hingegen wurden „große Gefühle“ ausgesprochen, die sich am Ende aber als Hasstiraden gegen seine schlechte Schauspielkunst entpuppten.
Durchaus sehr amüsante „Liebes“briefe wurden geschrieben, die vor allem die Adressaten (die Mädchen, die die Personen ausgesucht haben) sehr grinsen ließen.





