23 März 2007

21. März 2007

Aus einem neuen Buch (Schreibwerkstatt – Klaus Vopel) hatte ich einen Themenblock ins Auge gefasst, den wir am Valentinstag großzügig übersehen haben.

Das große Thema dieser Stunde waren Gefühle, darunter ganz besonders die „Liebe“.

Zuerst fing ich mit der Fragestellung an, wie man sich fühlt, wenn man verliebt ist und sich ankleidet. Oder einen Apfel isst. Oder den Rasen mäht.

Meine erste Schreibaufgabe lautete, dass die Mädels sich eine Tätigkeit aussuchen mussten, die sie in ihrer Geschichte nachgehen, egal, ob Segelboot fahren, lesen, zeichnen oder essen. Jeder hatte die freie Wahl, zwischen einer oder mehreren zu beschreibenden Tätigkeiten zu entscheiden. Alle paar Minuten warf ich jedoch ein Gefühl in den Raum, die in die Geschichte eingearbeitet werden musste.

Hoffnung – Liebe – Hass – Freude – Wehmut – Trauer

Diese Gefühle mussten in die Texte mit eingearbeitet werden. Ich bemühte mich, möglichst unterschiedliche Gefühle zu nehmen, um im Text einen häufigen Wechsel herbeizuführen.

Hier ein Beispieltext von Lisa:

Sonntagnachmittag. Die perfekte Zeit, um nichts zu tun. Oder um zu lesen. Da ich eher letzteres bevorzuge und ich die Hoffnung hatte, heute nicht zur Hausarbeit verdonnert zu werden, lag ich auf meinem Bett und versuchte möglichst geschäftig meine Nase in ein Buch zu stecken. Man lies mir tatsächlich fünf Minuten Ruhe, bevor ich „liebenswürdig“ gebeten wurde, den Rasen zu mähen. Nicht, dass ich eine grundlegende Abneigung gegen Gartenarbeit habe … nun gut, habe ich eigentlich doch – aber im Moment konnte ich mir dreikommasechssieben Milliarden bessere Dinge vorstellen. Auch, wenn Rasenmähen praktisch noch zu den Dingen gehörte, die ich liebte. Trotzdem, in manchen Momenten hatte ich nun mal einen Riesenhass auf alle Arten von Arbeit. Zum Beispiel in diesem Moment. Von einer freudigen Reaktion konnte man also nicht sprechen. Schließlich hatte diese Arbeit nun einen Vorteil: Man musste hinterher nicht mehr das Laub aufsammeln, da schließlich alles schon zerhäckselt wurde. Auch eine Beschäftigung, an die ich mich eher mit äußerst verhaltener Wehmut erinnere. Während ich also diverse Kleintiere von der Rasenfläche verscheuchte, trauerte ich in Gedanken meinem freien Nachmittag nach.


Sie erfüllte die Aufgabe sehr gut. Durch die häufigen Wechsel der Gefühle merkte man, dass die Figur über ihre Tätigkeit reflektierte, was ich ebenfalls beabsichtigt hatte.

Annika schrieb über ihre geliebten Krabbenchips und den Ärger, als ihre Mutter ihren Lieblingschip wegaß. Der Verlust des Chips beschrieb sie gekonnt lustig.

Die Figur von Patricia machte es sich in ihrem Bett gemütlich und dachte darüber nach, wie schön es wäre, das Schlafgemach mit einem Adonis zu teilen. Ironisch zog sie hier über die Männerwelt her.

Astrids Figur hatte Liebeskummer und betrachtete ihr Gesicht im Spiegel. Auch sie reflektierte viel und übertrug ihre Gefühle vom oberflächlichen Ärger über den schmutzigen Spiegel zu der inneren Gedankenwelt.

Diese Übung hatte ich als kleine Einführung geplant.

Umfangreicher wollte ich das nächste Spiel gestalten, in der sich jeder der Mädchen eine bekannte, berühmte Person aussuchen sollte, nach der sie sich sehnten, die sie bewunderten oder mit der sie sich ein Treffen wünschten, die aber unerreichbar ist. Nun trat aber die Situation ein, dass sie diese Person treffen. Oder ihr einen Brief schreiben. Oder einfach nur die Gelegenheit bekommen zu sagen, was sie an dieser Person bewundern.
Auch hier ein Beispieltext von Lisa:

Frankreich hat sicher einige tragische Helden. Doch mein persönlicher Favorit ist immer noch Jeanne D’Arc. Ich meine, für diese Zeit war sie schon erstaunlich emanzipiert. Und auch die oben erwähnte Tragik fehlt nicht. Erst für das Land gekämpft und ungemein christlich gewesen, dann verraten und als Hexe verbrannt. Wurde die Asche nicht in die Seine geworfen? Egal, auf jeden Fall für dieses Zeitalter eine ungewöhnliche Frau, an der sich schon damals die Gemüter geschieden haben.

Eigentlich wollte ich diese Schreibaufgabe nutzen, um auf ihr die dritte und letzte für heute aufzubauen, aber viele wählten Figuren, die nicht alle kannten (beispielsweise die Antigone von Sophokles) und so entschied ich für eine separate dritte Runde.

In der dritten Runde durfte sich jeder eine berühmte, bekannte Person aussuchen und schrieb sie auf einen Zettel. Diese wurden dann gemischt und neu verteilt. Jeder musste dann einen Liebesbrief an diese Person schreiben.

Harrison Ford, Orlando Bloom, Adam Opel, Ville Vallo und Till wurden verteilt und den einzigen richtigen Liebesbrief bekam nur Orlando Bloom. Die anderen bekamen teilweise charmante Briefe, die einschleimend nach Liebe trieften, aber auf ein anderes Ziel abzielten, als den Absender zu betören.

Ville Vallos Brief gehörte zu dieser Sorte. Nach vielen Liebkosungen wurde nach der Nummer des Schlagzeugers gefragt.

Harrison Ford hingegen wurden „große Gefühle“ ausgesprochen, die sich am Ende aber als Hasstiraden gegen seine schlechte Schauspielkunst entpuppten.

Durchaus sehr amüsante „Liebes“briefe wurden geschrieben, die vor allem die Adressaten (die Mädchen, die die Personen ausgesucht haben) sehr grinsen ließen.

14. März 2007

In dieser Stunde hatte ich viel vor. Zunächst verteilte ich einen kleinen Umfragezettel:

________________________________________________________________

Mögliche Themenschwerpunkte der Schreibwerkstatt bis zu den Sommerferien sind:
(Bitte nur maximal drei Sachen ankreuzen, sonst zählt der Zettel nicht!!!)

O Jedes Bild erzählt eine Geschichte
O Die Fantasie benutzen
O Ich erinnere mich
O Einfache Gedichte
O Wer bin ich?
O Beziehungen erforschen
O Gemeinsam schreiben
O sonstige Vorschläge: ______________

Ich würde gerne folgendes Schreibspiel ausprobieren
(Altes wiederholen? Ein Neues?):
____________________________________________
____________________________________________
____________________________________________
____________________________________________
____________________________________________
____________________________________________

Ich habe folgende Kritik, Anregung oder Lob:
____________________________________________
____________________________________________
____________________________________________

__________________________________________________________

Diese ließ ich ausfüllen und erwartete gespannt auf Ergebnisse. Die Umfrage werde ich als Grundlage für unsere nächsten Stunden nehmen.

Danach packte ich eine Packung mit Süßigkeiten aus, machte sie umständlich aus, griff zur Schere und suchte mir in mühevoller Arbeit einige Baiser-Ostereier aus. Dies tat ich nebenbei, denn hauptsächlich fragte ich meine Mädels, ob sie Lust hätten, in der nächsten Stunde einen Themenblock zum Thema „Liebe“ durchzunehmen. Die Idee hatte ich aus einem neuen Buch, das ich mir bestellt hatte und auch von einer „Stern-TV“-Sendung, bei der es um das Schreiben von Liebesbriefen ging. Während ich mir die Meinungen von meinen Mädels einholte (sie hatten nichts gegen solch eine Stunde einzuwenden), hingen sie mir an den Lippen und machten furchtbar große Augen, als ich weiterhin meine Süßigkeiten verzerrte, ohne irgendwelche Anstalten zu machen, ihnen etwas abzugeben.

Schließlich platze einer der Kragen: „Das ist doch eigentlich asozial!“

Ich konterte: „Wieso? Die sind voll lecker.“

Es gab ein allgemeines Aufstöhnen und alle sahen mich mit hungrigen Augen an. Demonstrativ wühlte ich in der Packung, griff nach einem Gummihäschen, hob es in die Höhe und gab bekannt, dass die besonders lecker seien. Wieder allgemeines Geraune und dann der Spruch: „Das ist voll fies!“ Ich hakte nach, was daran fies sei und leitete damit zu meinem Schreibspiel ein: meine Mädels sollten eine Textstelle schreiben, in der sie etwas essen, essen werden oder gegessen haben. Sie sollen in der Ich-Perspektive schreiben und ganz genau beschreiben, wie sich ihre Sinne verhalten, wie sich die Umgebung verändert und natürlich sollten sie ganz besonders auf den Geschmack eingehen.

Nachdem ich die Aufgabenstellung verdeutlicht habe und letzte Fragen geklärt, verteilte ich die Süßigkeiten. Diese Schreibaufgabe sollte den Geschmackssinn behandeln und gleichsam auch die letzte Schreibaufgabe zum Themenblock „Sinne“ bilden.

Das Ergebnis waren wundervolle Texte.

Astrid beschrieb, wie eine in Gefangenschaft geratene Frau, die deutliche Verletzungen aufwies, nach der Befreiung zum ersten Mal wieder Orangen isst. Besonders gekonnt beschrieb sie, wie die Säure der Früchte zwar in den Wunden schmerzten, das Essen aber trotzdem einer göttlichen Offenbarung gleichkam.

Vivianes Figur wurde wahnsinnig, nachdem sie ihr Lieblingsessen nicht bekam.
Tatjanas Hauptperson war zum Essen bei den Eltern ihres Freundes eingeladen worden, wo ein besonders ekelhafter Fisch mit Augen serviert wurde. Den Ekel der Hauptfigur beschrieb sie sehr gekonnt.

In Patricias Geschichte ging es um eine erzwungene Erpressung um bestimmte Details. Das Mittel dazu war ein leckeres Hühnchen.

In Alexandras Geschichte hingegen ging es um den genussvollen Besuch in einem Fast Food Restaurant in einem Flughafen – und das nach einer langen Asia-Reise, bei der die Hauptfiguren nur Reis gegessen hatten.

Ein Textbeispiel von mir:

„Ja, auch ich habe ab und an Liebesbeziehungen. Da staunt ihr, oder? Erst letztens wieder – das muss ich euch unbedingt erzählen. Es begann in einer mir unbekannten Konditorei in einer mir unbekannten Stadt. Ich setze mich auf einem der ekelhaft weißgelben Plastikstühle und bestellte mir einen Kaffee, der in kleinen, spießigen Tassen gebracht wurde. Bevor meine Lippen das Porzellan berührten, sah ich ihn. Er war braungebrannt und groß und starrte zu mir zurück. Mein Herzschlag setzte einen Moment aus und mein Mund klappte auf. Ich riss meine Augen auf und Tränen des Glücks füllten sie. Wie eine leblose Marionette ließ ich die Tasse fallen, die lautlos auf dem Steinfußboden aufschlug und zerschellte, stand auf und rannte zu ihm hin. Die ganze Welt drehte sich nur noch um ihn und mein Verlagen steigerte sich ins Unermessliche. Ich wollte nur noch ihn. Ein Schrei des Glücks drang aus meinem Mund, der zu einem gigantischen Schlund wurde. Miene Hände umklammerten zitternd einen nackten, hilflosen Körper und dann verschlang ich ihn in wenigen Augenblicken – meinen Schokoladenkuchen.“

Die Schreibaufgabe fand viel Anklang (besonders die Beilage) und ich war überrascht, wie viele verschiedene Situationen den Mädchen einfielen.

Die zweite Schreibaufgabe des Tages handelte von Farben. Ein letztes Mal wollte ich den Sehsinn behandeln. Auf einem Tisch hatte ich mehr als zwanzig farbige Blättchen verteilt und jeder durfte sich eines aussuchen, was gerade zu seinem Leben oder das einer fiktiven Person passte. Jeder sollte eine kurze Erklärung schreiben.

Das Ergebnis war ein bunter Mix zu den verschiedensten Themengebiete, darunter sehr klischeehafte und auch sehr persönliche Stellungnahmen.

Zum Abschluss wünschte sich die Mädels eine abschließende Runde „Mafia“. Dieses Mal sollten die Verbrecher an der eigenen Schule gesucht werden. Lehrer und Schüler beratschlagten sich und schon nach zwei Runden wurden alle Verbrecher gefunden und vom Dienst suspendiert.

07. März 2007

Meine Androhung für diese Stunde blieb bei einer Androhung. Den Stuhlkreis ließ ich nicht errichten, um einen eigenen Chor auszuprobieren (diesen Sinn wollte ich nicht ausprobieren), sondern um ein Rollenspiel durchzuführen. Und im Vorfeld war ich sehr gespannt, ob mir dies gelingen würde.

Das Rollenspiel habe ich selbst mal als Schülerin miterleben dürfen und seitdem schwebte sie mir immer im Hinterkopf, doch ich bekam nie Gelegenheit, es zu wiederholen. Vor allem die Fantasie der Kinder wollte ich damit ansprechen.

Zunächst ließ ich sie alle Platz nehmen und wir suchten uns eine Stadt aus. Die Wahl fiel schnell auf Venedig. Danach sollte sich jeder eine Rolle ausdenken, die er passend zum Ort übernehmen wollte. Dazu sollte sich jeder einen neuen Namen ausdenken, kurz beschreiben, was er in der Stadt macht und ob er jemanden aus der Gruppe kennt.

Ich selbst spielte als Spielleiterin die Bürgermeisterin Bella der Stadt Venedig. Ich stellte mich bei Beginn des Spiels theatralisch vor („Ich vertrete die KPI – die Kinderpartei Italien! Wer hat mich gewählt?!“) und ließ dann jeden in seine Rolle schlüpfen.

Dabei war eine Kunsthändlerin, eine Touristin aus Japan, die kein Wort Italienisch konnte, zwei Schülerinnen, ein Obdachloser, der sich in der Nacht in einen Werwolf verwandelt, eine Händlerin, die einen kleinen Laden mit Masken für Karneval betreibt, eine Rentnerin, dessen Sohn kriminell ist und die selbst Touristen hasst. Ihre Untermieterin war eine Amerikanerin, die Archäologin im Indiana-Jones-Stil war und für den Erhalt der Stadt kämpfte.

Nach der Vorstellung leitete ich in das Geschehen ein. Mit todtrauriger Stimme erzählte ich, dass der Sohn der Rentnerin Tod aufgefunden war und der Täter schnellstens gefunden werden musste. Nach dieser Einleitung ließ ich die Mädels Zettel ziehen, auf denen drauf stand, welcher Partei sie angehörten. Ich teilte sie in fünf normale, ehrliche Bürger, zwei Mafiosi und einen Detektiv auf. Niemand durfte dem anderen seine wahre Identität verraten.

Nun begann das Rollenspiel. Jeder sollte berichten, was er über den Mord an dem Sohn der Rentnerin wusste. Schnell wurden Verdächtigungen und Anschuldigungen laut und der Obdachlose gab zu, als Werwolf an den Beinen des Opfers geknabbert zu haben.

Nach einer Abstimmung mussten wir einen Angeklagten wählen und zum Tode verurteilen. Der Obdachlose gesellte sich zu mir und ich ließ es Nacht werden.

Dies bedeutete, dass jeder Bürger in Venedig die Augen schließen musste. Dann bat ich darum, dass nur die Mafiosi ihre Augen aufmachen und auf ihr nächstes Opfer deuten. In diesem Spiel waren die Kunsthändlerin und die Touristin aus Japan die Mörder und töteten eine Schülerin, die sich ebenfalls zu mir gesellte. Danach mussten die Mafiosi ihre Augen schließen und die Detektivin (eine Doppelagentin, die von der anderen Schülerin gespielt wurde) musste die Augen öffnen und auf jemanden deuten. Danach ließ ich es wieder morgen werden und alle durften ihre Augen öffnen.

Zunächst enthüllte ich die wahre Identität des Obdachlosen. Er war ein armer Bürger gewesen. Danach gab ich bekannt, dass unsere geheime Doppelagentin leider einen Bürger überprüft hatte. Dann leitete ich über zum Mord des nächsten Bürgers.

Das Spiel wiederholte sich und die Japanerin wurde als nächstes verdächtigt und gehenkt.
Während der Nacht wurde dann die Maskenhändlerin tot aufgefunden und der letzte Mafiosi musste gefunden werden. Es ging spannend aus, da man zunächst die Agentin hängte.

Zum Schluss waren nur noch die Amerikanerin, die Rentnerin und die Kunsthändlerin übrig. Es kam zufällig zu dem Zufall, dass sich die beiden Mieter immer gegenseitig ein Alibi gegeben haben, sodass die Kunsthändlerin gehängt und die Bürger gesiegt haben.
Ich wiederholte auf Wunsch das Spiel.

Dieses Mal spielte es sich in London ab und wir gingen zurück ins Mittelalter zur Zeit der Hexenverbrennung. Eine Zigeunerin, eine alte Hexe, ihre Tochter, die sie als Baby ins Waisenhaus geben musste und die selbst jung ein Kind bekommen hatte, das nun vier Jahre alt war und die dritte Person war. Des Weiteren gab es eine Ehefrau, die gut Kuchen backen konnte, ein Inquisitor namens Charles, der zwei wunderschöne Töchter hatte, von denen seine Lieblingstochter leider rote Haare hatte.

Dieses Mal war die Lieblingstochter die Doppelagentin und wählte beide Male gleich die Verbrecher auf. Geschickt lenkte sie die Beschuldigungen auf die Figuren, sodass nach zwei Hinrichtungen die Bürger gesiegt haben. Leider waren die Hexe und die Frau, die gut Kuchen backen konnte, die Verbrecher, sodass ihre Rollen schnell zur Überführung führten.

28. Februar 2007

Für diese Stunde hatte ich ein großes Rollenspiel eingeplant. Da ich allerdings mindestens fünf Spieler brauchte, hatte ich zuvor einen Notfallplan ausgearbeitet, der dann zum Einsatz kommen musste, weil wir nur zu viert waren.

Die Aufgabe fing nun folgendermaßen an:

Jeder brauchte ein Blatt und schrieb einen Titel für eine Geschichte auf. Jeder dachte sich natürlich einen Titel aus, den er für seine eigene Geschichte auswählen würde. Groß war dann die Verblüffung, als der Zettel an den Nachbarn weitergereicht werden musste. So gingen die Zettel von Schreiber zu Schreiber. Jeder versuchte sie in seine Richtung zu verbiegen, sodass viele überraschende Wendungen typisch waren.


Jesus war ein hässlicher Kerl
Mein größter Stolz war ein Goldfisch. Da er einen merkwürdigen Kragen hatte und einen dunklen Fleck auf dem Kopf, nannte ich ihn Jesus. Jesus war ein komischer Fisch, der ständig Selbstmord begehen wollte und aus dem Aquarium sprang. Und er hasste Clinton und Tomtom, seine Mitfische.
Manchmal versuchte er sich zu erdrosseln oder mit den großen Steinen im Aquarium den Schädel zu zerschmettern. Das was der Grund, weshalb sie ihn nicht mochten, na ja eigentlich hassten sie ihn, aber dass ich nicht so wichtig. Als ich das merkte, trennte ich mich von den beiden Mitfischen und steckte Jesus für vier Jahre in eine Fischanstalt.
Die Jahre in der Fischanstalt waren grauenvoll. Habe ich das verdient? Abstoßende Mordgedanken tragen doch nicht dazu bei, dass ich in dieser Anstalt verkümmere!! Unverschämtheit! Mörder werden auch nicht eingesperrt, bevor sie einen Mord begehen! Blubb!!!
Doch was kann ich schon groß daran ändern? Nichts! So blieb ich also all die Jahre in dieser Anstalt und lernte neue Fische kennen. Sie waren alle voll fischig drauf und niemals hätten sie in eine Fischanstalt gehört.

Sie machten mich verrückt. Sie erinnerten mich an meinen größten Stolz. Und so sprang ich von Glas zu Glas und tötete sie alle.

Ich ermahne meine Schüler sehr oft, dass sie sich nicht auf reale Personen beziehen dürfen. Besonders bei der Cluster-Collage vor Weihnachten musste ich viel zensieren und schimpfen, bevor sie ausgestellt werden durfte. Da mir dies aber nun doch passiert ist, entschuldige ich mich im Namen der Schreibwerkstatt sehr. Ich werde das Thema in der nächsten Stunde noch einmal mit meinen Schülern besprechen und auf die Dringlichkeit hinweisen, dass niemand reales in ihren Texten gekränkt werden darf.

21. Februar 2007

Nach den vielen Stunden, in denen fast nur geschrieben wurde, wollte ich dieses Mal etwas Abwechslung hineinbringen.

Am Anfang der Stunde legte ich einen Stapel Comics auf den Tisch und teilte die Gruppe in viele kleine Grüppchen auf. Partnerarbeit war angesagt.

Jeder durfte sich ein paar Comics nehmen und sollte sie zerschneiden. Garfield, Calvin&Hobbes, Käpt’n Blaubär, einige Mangas und Hermann-Comics wurden bunt durchgemischt.

Die Aufgabe war nun, dass ein neuer Comic erstellt werden musste und das mit möglichst vielen verschiedenen Comics. Die Sprechblasen mussten herausgeschnitten werden und ein neuer Text entwickelt.

Bald ging es zu wie auf einem Basar. Wer hat den Garfield essend? Wer hat ihn schlafend? Hat jemand eine weibliche Mangafigur, die er nicht braucht? Hat jemand eine Angel? Einen Fressnapf?

Die ganze Stunde waren sie mit dem Entwickeln einer neuen Geschichte, dem Schneiden, kleben und texten beschäftigt, bevor jeder zum Schluss stolz seinen eigenen Comic vorstellen durfte.

Bilder der Comics folgen noch :)

14. Februar 2007

Auch für diese Stunde hatte ich ein Vorbild aus der Vergangenheit. Als allerletztes Buch haben wir im Leistungskurs „Das Parfum“ von Patrick Süskind gelesen. Als Einführung in die Welt der Gerüche musste jeder ein Parfum mitbringen. Daran schnüffelten wir und mussten den Geruch mit Erinnerungen verbinden. Außerdem analysierten wir Parfum-Werbung, was psychologisch betrachtet noch mal ein kleiner Höhepunkt der Stunde war.

Aus der Stunde habe ich viel gelernt, vor allem, dass es nicht auszuhalten war, wenn jeder sein Parfum in die Luft sprühte und schnüffelte.

Ich bat meine Schreibwerkstattgruppe Sachen, die riechen, mitzubringen, egal, ob Parfumflaschen, Räucherstäbchen oder Fruchtbonbon, Duftkerzen und Duftbäume. Am Anfang der Stunde verteilte ich gleich Taschentücher für die Parfumleute, damit der Duft auf dem Tuch und nicht in der Luft war.

Zunächst ließ ich alle an ihren Sachen schnüffeln und auch sie mussten Sachen beschreiben, die sie mit diesem Geruch verbinden. Danach stellte ich ihnen das Buch von Süskind vor und legte dabei den Schwerpunkt auf die Hauptperson Jean-Baptiste Grenouille.

Ich ließ die Einleitung vorlesen, damit die Mädels und Jungs sahen, unter welchen Umständen und in welcher Umgebung Grenouille geboren wurde (auf einem Viktualienmarkt neben einem Friedhof an einem Fischstand; es stank bestialisch, war heiß und einige Jahrhunderte her). Ich stellte die Frage in den Raum, wie sich so ein Junge entwickeln konnte und was er werden könnte. Viele tippten, dass er wegen seiner guten Nase Parfumeur werden könnte.

Dass er zum Mörder werden würde, wussten nur diejenigen, die das Buch schon gelesen haben. Nun stellte ich eine Textstelle vor, in der Grenouille die Welt mit seiner Nase erkundete. Er war etwa sechs Jahre alt und verband die Worte mit den Gegenständen.
Nun sollten meine Mädels und Jungs ebenfalls eine Geruchsreise durchleben – mit Grenouille als Hauptperson. Dabei ließ ich die mitgebrachten Gegenstände herumgehen, sodass Abwechslung in die Geruchswelt kam.

Den Mädels machte die Übung Spaß, da Grenouille für sie eine merkwürdige, aber interessante Figur war und sie merkten, dass es gar nicht so einfach war, die flüchtige Welt der Gerüche zutreffend zu beschreiben.

07. Februar 2007

Auf diese Stunde war ich wahnsinnig gespannt, da ich eine große Vision hatte. Es sollte meiner Meinung nach das bislang anspruchsvollste Schreibspiel werden, das wir bislang versucht hatten.

Zuerst teilte ich die Mädels in Gruppen auf, die ich bestimmte, damit es zu produktiven Gruppen kam. Außerdem mischte ich die üblichen Grüppchen auf diese Weise kräftig durch.

Dann erklärte ich das Spiel:

Jede Gruppe sollte sich eine Situation ausdenken, in der es zu einem Dialog kommt, den man gut darstellen kann. Ideal wäre eine Konfliktsituation und nicht der übliche Smalltalk. Die beiden Gruppen durften sich untereinander nicht austauschen und ihre Idee nicht verraten.

Die Dialoge mussten schauspielerisch umgesetzt werden. Besonders wichtig waren hierbei natürlich die Gestik und die Mimik.

Nachdem beide Gruppen fertig waren, musste sich die erste vorne hinsetzen und die anderen spielten ihr Stück vor – allerdings ohne zu reden!

Das war eine Herausforderung, da man sich beim Reden mehr auf das Gehör konzentriert, als auf die Gestik oder Mimik – besonders, wenn man Textdialoge liest.
Die Gruppe, die zusah, musste sich zu dem vorgespielten passende Dialoge ausdenken und aufschreiben. Daher mussten die Gruppen ihre Stücke öfters vorspielen und „Stopp!“, „Freeze!“ und „Szene wiederholen!“ waren oft gehörte Kommandos.

1. Die erste Gruppe bestand aus zwei Brüdern und einer bösen Schwester. Die Brüder kamen in das Zimmer, setzten sich hin, stritten sich um einen Apfel und dann darum, wer den Lieblingsjoystick beim Playstationspiel bekommt. Beim Aufstehen merken sie, dass sie an ihren Stühlen festgeklebt sind. Die böse Schwester hat vorher Leim auf die Sitze gekippt.
Als die Eltern nach Hause kommen, spielt die Schwester das Unschuldslamm und behauptet, dass die Jungs ihr mit ihrem unerklärlichen Verhalten Angst machen.

2. Die zweite Gruppe thematisierte ein Streitgespräch zwischen zwei Models. Die eine hat der anderen den Freund ausgespannt und zwar aus Rache dafür, da diese ihren Bruder umgebracht hatte.

Beide Szenen waren anspruchsvoll und besonders der zweite enthielt viel Text. Jeder aus der „Regie“, der vorne saß, durfte seinen Text vorlesen und die Gruppe spielte ihre Szene dazu vor. Am Schluss gab es dann die große Auflösung, bei der es so einige Überraschungen gab.

Ich war sehr überrascht, wie gut alles klappte. Am Anfang hatte ich daran gezweifelt, ob ihnen die Aufgabe Spaß machen würde, da Schüler sonst ungern vor anderen etwas vorführen.
Doch da wir „unter uns“ waren und jeder jeden kannte und mochte, machte es ihnen sehr großen Spaß, ihre Texte schauspielerisch darzustellen, selbst wenn nicht gesprochen werden durfte.

31. Januar 2007

Meine erste Frage in dieser Stunde an meine Mädels und Jungs war, was denn ihr Lieblingsgeräusch war. Wir sammelten einige und diskutierten darüber, warum man sie mag.
Danach verteilte ich kleine Zettel, auf die jeder ein Geräusch seiner Wahl aufschreiben sollte. Auf den Zetteln stand schließlich folgendes:

Chorgesänge, Regen und Sturm, Flammen (knistern), Stille, Highschool Musical, Waldgeräusche, Feuer im Kamin, Gewitter, letzte Schulglocke, Wald, Das ruhige Atemgeräusch der Person, die man (sehr) mag, Regen auf Fensterscheibe, Regen, Vögel, Rammstein, Hardrock, Schritte im Schnee, Windrauschen, Vogelrufe, Wassergeräusche, Staubsauger, Heavy Metall.

Ich nahm die Zettel und ließ sie im gefalteten Zustand in einer Kiste verschwinden, wo sich schon folgende Geräusche befanden:

frieren, reisen, Feuer spucken, Eulenschrei, krank sein, Vogelgezwitscher, reden, Handyklingelton, Schritte, operieren, Hufgetrappel, Wind, Radio, husten, duschen, Katzengejammer, Regentropfen, laufen, Donner, Babyschrei, Zähne putzen, Auto fahren, Bild malen, Luftballon blasen, Echo, Party feiern, Sturm, Fotos machen, kochen, grillen, Rasenmäher, hupen, schwimmen, Hundebellen, tanzen, schnarchen, Apfel essen, fliegen, klatschen, Zähneknirschen, Suppe schlürfen, Flöte spielen, weinen, Mikrowelle, Schießerei, lachen, weggehen, Schrei, Haare föhnen, singen, Glockengeläut, telefonieren, marschieren, tapezieren, jubeln, Blumen gießen.

Ich hatte sie am Tag zuvor vorbereitet. Nun präsentierte ich die Kiste den Kindern. Es war eine Kiste voller Geräusche, die nur darauf wartete, ausgepackt und gehört zu werden.

Dies war nun auch das nächste Schreibspiel: jeder musste eine Geschichte seiner Wahl schreiben. Die Geräusche aus der Kiste mussten in die Geschichten mit einfließen. Dazu ging jeder einmal vor die Gruppe, zog einen Zettel und durfte das Geräusch vormachen. Dabei durfte er sich auch mit Gesten helfen, falls das Geräusch zu schwer war.

Jeder musste das gehörte und dargestellte Geräusch selbst interpretieren und in die Geschichte mit einarbeiten.

Dabei lernte die Gruppe, dass es schwierig ist, Geräusche vorzuführen, zu beschreiben und spontan in die Texte mit einzuarbeiten, doch sie meisterten die Aufgabe und heraus kamen viele lustige Texte.

24. Januar 2007

Diese Stunde wurde gemein – ich gebe es zu. Aber sie forderte die Mädchen auch heraus.
Das Vorbild war eine Klassenarbeit aus der achten Klasse, die ich geschrieben habe. Damals hatten wir für ein halbes Jahr das Thema „Kreatives Schreiben“ im Unterricht behandelt. In der Klassenarbeit bekamen wir ein Bild von Salvadore Dali und sollten es beschreiben, sagen, wie es zu der Situation kam und natürlich auch eine Hauptfigur finden, die das ganze erlebt. Die Aufgabe hat mir damals sehr gut gefallen und so war ich in den Ferien in die Bücherei gegangen und hab mir den größten Bildband von Dali ausgeliehen, den ich finden konnte. Als Surrealisten fand ich ihn passender als beispielsweise den Kubisten Picasso oder den Expressionisten Vincent van Gogh.

Traumwelten sprechen Jugendliche mehr an als zersplitterte Formen, Perspektiven oder Ausdrucksfarben.

Ich suchte mir mehrere Bilder aus und kennzeichnete sie.

Der Seh-Sinn sollte nun bearbeitet werden.

In der Stunde erklärte ich ihnen die Aufgabenstellung (die gleiche, wie in der Klausur) und zeigte ihnen das Bild. Da die Bilder von Dali oft überfüllt und schwer zu erfassen sind, ließ ich mir die Bilder beschreiben. Jeder durfte sagen, was darauf ist oder ergänzen. Den Rest der Stunde ließ ich sie dann schreiben, ging herum und zeigte das Bild.

Sie waren zwar nicht darauf gefasst, aber irgendwann ließ ich sie die Stifte aus der Hand legen und schaute sie amüsiert an. Verwirrend wurde gefragt, ob man den Satz oder die Geschichte noch beenden kann.



Beenden ja, sagt ich, blätterte im Buch herum, bis ich das nächste Bild fand und sagte, dass die Geschichte mit diesem Bild fortfahren wird. Wieder ließ ich mir das Bild beschreiben und wieder entdeckte man viele Kleinigkeiten erst beim zweiten, dritten oder vierten Blick.
Es war eine Herausforderung, die die Gruppe (ohne, das sie es wusste!) noch drei- oder viermal erfüllen musste, bevor ich beim letzten Bild aber klar und deutlich sagte, dass die Geschichte mit diesem abgeschlossen werden musste.

Verschiedene Traumreisen, Expeditionen und Dimensionssprünge kamen dabei heraus, spannend zu lesen und oft auch so anspruchsvoll, wie die Bilder von Dali.

Zwölfte Stunde - 17. Januar 2007

Die erste Stunde nach den langen Ferien war auch gleichsam die erste Stunde des neuen Themenblocks „Sinne“. Die wollte ich schreiberisch und kreativ mit meinen Mädels und Jungs erforschen. In der ersten Stunde mit einem noch vertrauten Gebiet.
Mit dem Hörbuch „Wilde Reise durch die Nacht“ von Walter Moers wollte ich sie für das Thema begeistern – und zum ersten Mal den Hörsinn ansprechen.

Ich wählte eine etwas längere Textstelle aus. Gustave, die Hauptperson, ritt mit seinem Pferd Pancho zum schrecklichsten aller Ungeheuer, um dessen Zahn zu holen. Dies ist eine der vielen Aufgaben, die der Tod ihm aufgegeben hat, um seine Seele zu retten und die Gustave lösen muss. Der Auszug beschrieb einen See mit allerlei Ungeheuern. Ein riesiges Krokodil trat dabei hervor und behauptete, dass schrecklichste aller Ungeheuer zu sein, weil es nicht aus Hass oder Hunger tötet, sondern aus Liebe.



Paradox, doch sowohl Gustave, als auch Pancho fallen auf diese List herein, spätestens, als das Krokodil sie so in ein Gespräch verwickelt und mit seine Opfer mit seiner hypnotischen Stimme betören kann (wieder der Hörsinn).

Im letzten Moment gelingt es Gustave, sich zu retten und das Krokodil offenbart, dass es nicht das schrecklichste aller Ungeheuer ist. Ich stoppe, als das wahre Monster kommt und überlasse es jeden für sich zu entscheiden, wie das Monstrum aussieht und ob Gustave an den Zahn kommt.

Gemein, aber die Ergebnisse waren vielfältig und überraschend.
Genauso überraschend fand die Gruppe es, dass Moers Monster ein gigantisches, fliegendes Schwein mit Zahnproblemen ist.
Von dem Hörbuch waren sie aber wieder sehr begeistert.

Elfte Stunde - 20. Dezember 2006

In dieser Stunde war ein neuer Besucher bei uns anwesend. Der Junge wurde von einer meiner ehemaligen Deutschlehrerinnen an mich weiterempfohlen und ich freute mich sehr, nun nicht nur Mädchen in meiner Gruppe zu haben.
Zur Einstimmung nahmen wir uns heute folgende Schreibaufgabe vor:


Mini-Münchhausen

Kurzprosa
Dauer: 45 Minuten

Beschreibung des Spiels
Redewendungen, zum Beispiel „schneidende Kälte“ oder „es regnet Bindfäden“, werden wörtlich genommen und daraus eine Lügengeschichte à la Münchhausen gefolgert:
Einer beginnt die Geschichte zu einer ausgewählten Redewendung und reicht den Zettel nach zwei Sätzen seinem Nachbarn zum Weiterschreiben. Dabei gelten folgende Regeln:
- jede Geschichte sollte auf 12 Sätze (=Gruppen von je sechs Mitspielern) beschränkt sein.
- Erzählt wird in der Ich-Form
- Wichtig sind die plots (knifflige Situationen, die der Nachbar dann lösen und für den nächsten Mitspieler neu schaffen muss).

Kommentar
Beispiele für Redewendungen werden in „Metamorphosen“ gegeben. Der Reiz der Münchhausiade liegt nicht nur darin, Sprache wörtlich zu nehmen und sich damit bewusster zu machen, sondern auch darin, Metaphern und Vergleich fabulierend so weiterzuentwickeln und so maßlos zu übertreiben, dass „realistische“ Lösungen für die Mitspieler schwierig werden.



Ich änderte die Vorlage aus der Musenkussmischmaschine ein wenig.
Zuerst fing ich damit an, dass jeder sich ein paar Sprichwörter in den Sinn rufen musste. Nach einer Bedenkzeit sammelten wir sie an der Tafel. Dazu ließ ich zwei der Schülerinnen an die Tafel kommen, damit wir die Vorschläge schriftlich für alle festhalten konnten.

„Lügen haben kurze Beine“

„Morgenstund hat Gold im Mund“

„Steter Tropfen höhlt den Stein“

Bald hatten wir die ganze Tafel voll. Danach sagte ich, dass jeder sich eins auswählen solle, um daraus dann eine Lügengeschichte zu entwickeln oder einfach nur aufzuschreiben, in welcher Situation dieses Sprichwort entstanden ist.

Am besten gefiel mir die Idee von Lisa, die „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ gewählt hatte.
In ihrer Geschichte beschrieb sie ein Mädchen in einem Märchenschloss. Das Mädchen hatte einen ganz außergewöhnlichen Namen. Eines Tages wurde das Schloss von fremden Raubrittern überfallen, die das Gold rauben und alle ermorden wollten. Schließlich fand ein Ritter das Mädchen und schleifte sie vor den Anführer. Sie musste ihren Namen nennen und der Raubritter stutzte, da ihr Name in seiner Sprache „Hoffnung“ bedeutete. Grimmig sagte er dann zu ihr: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Ich fand es richtig gut, dass die Hoffnung von ihr personifiziert und in eine für uns fremde Zeit zurückversetzt wurde.

Zum Schluss nahmen wir die Rolle von strengen Jury-Mitgliedern auf und beurteilten die eingesandten Texte von unserem Schreibwettbewerb.

Wir hatten ein Gedicht aus der fünften Klasse und zwei Kurzgeschichten aus der achten Klasse. Wir beschlossen, dass die 5.-Klässlerin einen Sonderpreis bekommen würde.

Danach bewerteten wir die beiden Kurzgeschichten und legten den ersten und den zweiten Platz fest. Alle drei bekamen mit ihren Zeugnissen einen Monat später Urkunden und einen Buchgutschein.

Zehnte Stunde - 13. Dezember 2006

-Diese Stunde fehlt-

Neunte Stunde - 06. Dezember 2006

-Diese Stunde fehlt-

12 März 2007

Der Weihnachtsbasar - 02. Dezember 2006

Unseren Stand durften wir im Erdgeschoss im Gang links im Neubau aufstellen. Das war uns allen Recht, da wir viel Platz für unsere Collagen brauchten.

Gleich am Anfang mussten wir uns auf die Jagd nach Tischen machen. In den Räumen um uns herum waren schon alle verbaut. Zu Hilfe kam uns ein Lehrer (Dankeschön, Herr B. :) ), der uns einen Klassensaal aufschloss und uns Tische und Stühle mopsen ließ. Diese stellten wir im Gang auf, warfen unsere riesige, rote Tischdecke drüber, drapierten alles mit Servietten, Tannenzweigen und Weihnachtsschmuck und legten die ersten Teller mit Plätzchen aus.
Am Abend zuvor haben Alex, Mara, Viviane und ich uns an Nussecken und Butterplätzchen (mit bunten Buchstabenstreuseln) herangewagt. Zusätzlich hatte ich den ganzen Abend mit dem hochkomplizierten Backen von Glückkeksen verbracht, die ich zusätzlich dazusteuerte. Für die Plätzchen verlangten wir nichts außer einer kleinen Spende für unser hungriges, rotes Sparschwein. Mit dem Geld wollten wir die Preise unseres Schreibwettbewerbes finanzieren.

Wir hängten die Collagen aus. Die Gruppencluster hingen wir hinter uns auf, die Legenden und Gedichte auf der gegenüberliegenden Fensterfront. Zusätzlich hatte ich kleine Erklärung zu unseren Ausstellungsstücken aus der Musenkussmischmaschine ausgedruckt. Außerdem lagen Flyer als Werbung für unseren Schreibwettbewerb aus.

Die Resonanz war groß. Fast drei Stunden lang schnappte ich mir ahnungslose Eltern und klärte sie ausführlich über unsere Ausstellungsstücke auf. Besonders von dem Gruppencluster zeigten sie sich begeistert und auch bei den Schülern kamen sie gut an. Viele blieben stehen und lasen sich eine Ecke durch und staunten über die vielen (unerwarteten) Assoziationsketten.
Die Gedichte und Legenden luden wiederum zum Verweilen und Lesen ein. Im Gang staute es sich ziemlich oft bei uns.



Besonders begeistert zeigten sich die Eltern, die in der Jury des Weihnachtsbasars waren. Die Jury kürte den besten Stand aus. Da sie (mit Stift und Zetteln bewaffnet) mir gleich verdächtig vorkamen, schnappte ich sie mir für ein ausführliches Gespräch. Vielleicht würden wir ja gewinnen?

Nach drei Stunden war der Basar aus. All unsere Weihnachtskekse waren verschwunden und unsere Kasse hatte sich mit fast fünfzig Euro gefüllt. Stolz packten wir zusammen, denn ein Reinfall war unser Stand auf keinen Fall geworden.

Achte Stunde - 29. November 2006

In der nächsten Stunde waren alle anwesend und letzte Formalitäten konnten geklärt werden. Ein Termin zum Plätzchenbacken wurde festgelegt. Ein Auf- und Abbauteam wurde bestimmt. Wer würde was mitbringen? Wann würden wir uns treffen? Wer würde Werbung verteilen? Was wollten wir mit den Spenden machen?



Danach kamen wir zu dritten Aufgabe: meine Mädels sollten eine Legende, Sage, Gruselgeschichte zur Max-Planck-Schule erfinden. Geschrieben werden sollte in der automatischen Schreibweise: schreiben, ohne aufzuhören oder den Stift abzusetzen. Wenn jemandem zwischendrin nichts mehr einfiel, verschnörkelte er die Zeilen, bis der Schreibfluss von neuem einsetzte.

Wir lasen uns die Ergebnisse gegenseitig vor und sammelten sie ein. Auch sie wollten wir auf eine Collage kleben.

Zum Schluss widmeten wir uns unserem längsten Gruppencluster. Mehr als zwei Meter lang war die Tapetenbahn. Aus der letzten Stunde hatte ich gelernt:
Ich schrieb unter teils lautem Protest einige Benimm-Regeln an die Tafel (Assoziationen dürfen nicht gegen das Grundgesetz, das Jugendschutzgesetz verstoßen, keine Schülernamen, Lehrernamen, sexuelle Anspielungen, Beleidigungen, verbotene Symbole, …). Von den meisten erhielt ich Zustimmung, doch ich war auf der Hut. Kritische Sachen und Ideen mussten laut vorgelesen werden und die Gruppe stimmte ab, ob sie drauf durften oder nicht.

Letztendlich wurde die Collage ein großer Erfolg und sah sehr beeindruckend aus. Beim Schreiben ließ ich meine Mädels immer im Kreis rotieren, sodass jeder Mal in jede Ecke schauen und neue Idee und Gedanken ergänzen konnte.

Für den Freitag verabredeten wir uns abends zum Backen und wir warteten alle sehr gespannt auf den Samstag.

Siebte Stunde - 22. November 2006

Für den Weihnachtsbasar benötigten wir noch etwas Spektakuläres. Meine Idee war folgendes:


Cluster II: Gruppenclustern

Assoziatives Schreiben
Dauer: 45 Minuten
Material: Wandzeitungspapier

Beschreibung des Spiels
Eine Rolle Wandzeitungspapier wird auf Tischen ausgebreitet und ein Kernwort zwei- bis dreimal darauf verteilt. Nun beteiligen sich alle gleichzeitig am „Clustern“, dass heißt, sie bilden ihre Assoziationsketten zu dem Kernwort und verknüpfen diese mit denen anderer bzw. knüpfen an andere Ideen an. Auch Kurzsätze sind möglich. Wenn kein Platz und/oder keine Lust mehr vorhanden ist, auswerten und eventuell einzelne Texte erstellen, indem sich jeder Elemente und Assoziationsketten aussucht und an ihnen entlangschreibt.

Kommentar
Das Konzept des Gruppenclusterings als einer Art kollektiven „brain-stormings“ eignet sich auch gut für die Bearbeitung gruppendynamischer Probleme/Störungen.


Mara hatte an die Tapeten gedacht und da wir in dieser Stunde nur zu viert waren, nutze ich diese als Übungsstunde aus. Auf einer Bahn von rund eineinhalb Metern Länge begannen wir mit dem Wort „Weihnachten“ und fingen an, unsere Assoziationen aufzuschreiben.
Schnell bemerkte ich, dass einiges auf die Collage kam, was dort nichts zu suchen hatte. Kommentare zu Mitschülern und Lehrern zensierte ich daher im Nachhinein großzügig.
Ansonsten klappte das Experiment im Schulflur auf dem Boden liegend sehr gut und wir waren mehr als eine Stunde lang beschäftigt.
Zum Schluss klärten ein paar Formalitäten. Es wurde vorgeschlagen, gemeinsam Plätzchen für den Basar zu backen. Ich war gespannt, ob es klappen würde.

Sechste Stunde - 15. November 2006

In der nächsten Stunde nach den Herbstferien stellte ich den Mädchen meine Überlegungen zum Weihnachtsbasar vor. Das erste Thema wollte ich auch sogleich angehen.
Als großer Block sollte die „Lyrik“ behandelt werden und da Gedichte schnell abschreckend wirken, hatte ich eine lustige Power-Point-Präsentation vorbereitet. Die Basis dafür war eine Lyrikvorlesung an meiner Uni gewesen, bei der ich mich selbst herrlich amüsiert und eifrig mitgeschrieben habe.
Alles baute auf die Frage auf, was Lyrik überhaupt ist und dazu stellte ich den Mädels einige Beispiele dar.


- mein liebstes Glas
warf ich kaputt
- kein Wort von dir
- nur Rechnungen in der Post
- das Auto durch den TÜV gefallen
- mein Hund zerbrach
den langgehegten
Blumenstock

- kein Wort von dir
- kein Wort von dir
- kein Wort von dir

Heute ist wieder so ein
Tag
an dem nur die
Hoffnung beliebt.


Kristina Allert-Wybranietz


Das erste Gedicht fand nicht nur mein Professor furchtbar, sondern auch meine Mädels. Übertroffen konnte dies nur durch das folgende Gedicht werden:


Ein Reh
Springt munter
zwischen Bäumen umher
Das ist seine Welt
Sie ist ihm vertraut
und bietet ihm Schutz

Ein Kind springt fröhlich
auf den Straßen umher

Tatütata –
Tatütata –


Es sorgte für viel Gelächter und erstaunte Gesichter, ob so was wirklich Lyrik sei. Ein Beispiel für schlechte Metrik war das nächste Gedicht:


Poesie ist Leben,
Prosa ist der Tod,
Engelein umschweben
Unser täglich Brod.



Das nächste Beispiel wiederum verwirrte meine Mädels etwas:

                                                              
                                                                Hier liegt
                                                                der springende Punkt.



Als nächstes kramte ich ein englisches Gedicht hervor, was meine Mädchen furchtbar banal fanden:

This is Just to Say

I have eaten
the plums
that were in
the icebox
and which
you were probably
saving
for breakfast
Forgive me
they were delicious
so sweet
and so cold.


Nach dem nächsten „Gedicht“ dachten meine Mädels, es könnte nicht konfuser werden:



Und doch konnte es übertroffen werden durch folgendes:





Nach diesem Schock ließ ich sie mit diesem Gedicht zu Luft kommen:


                                                                 Dasschwarzegeheimnis
                                                                 ist hier                hier ist
                                                                 dasschwarzegeheimnis


Gelöst haben wir es nicht, sodass wir uns dem krönenden und bekannten Abschluss zuwanden:



Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs

Sonette find ich so was von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
dass wer Sonette schreibt. Dass wer den Mut

hat,heute noch son‘n dumpfen Scheiß zu bauen;
Allein der Fakt, dass so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut

Darüber, dass so‘n abgefuckter Kacker
Mich mittels seiner Wichsereien blockiert,
schafft in mir Agressionen auf den Macker.

Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und will‘s echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.


Nach diesem Schock ließ ich sie erst einmal diskutieren und leitete dann zu meinem Anliegen über. Zum Weihnachtsbasar wollte ich sie Elfchen, Haikus und Rengas schreiben lassen – natürlich alle mit dem Thema „Weihnachten“. Die Gedichte sammelten wir dann, um eine Collage zu machen. Die Reihenfolge wählte ich bewusst so aus, da die verschiedenen Formen immer schwieriger werden:


Elfchen

Lyrische Kurzform
Dauer: 30 Minuten

Beschreibung des Spiels
„Elfchen“ sind kurze Texte aus fünf Zeilen. Die Zeilen bestehen jeweils aus: einem Wort, zwei Wörtern, drei Wörtern, vier Wörtern und wieder einem Wort. Zusammen sind das elf Wörter des Elfchens.

Beispiel für ein Farb-Elfchen:
1. Zeile: ein Wort: eine Farbe violett
2. Zeile: zwei Wörter: etwas, das diese Farbe hat ein Schal
3. Zeile: drei Wörter: wo/wie es ist viereckig und durchscheinend
4. Zeile: vier Wörter: noch etwas mehr erzählen eine Frau verschleiert sich
5. Zeile: ein Wort: ein abschließendes Wort Rückzug

Farb-Elfchen sind nur ein Beispiel, diese Texte können inhaltlich von allem möglichen handeln. Weitere Möglichkeiten sind: Namen-Elfchen, Tier-Elfchen, Gefühl-Elfchen – mit entsprechenden veränderten Zeilenanweisung wie „1. Zeile: der Name eines/r Bekannten, 2. Zeile: wer ist das, 3. Zeile: Ort“ und so weiter und so fort.

Kommentar
Wie andere Schreibspiele mit stark eingegrenztem Sprachmittel (Haiku, Renga, Schneeball) zwingt auch das Elfchen durch seine kurze Form, sich mit wenigen Worten genau auszudrücken.


Haiku

Lyrische Kurzform
Dauer: 45 Minuten

Beschreibung des Spiels
Die Form eines Haikus, eines Dreizeilers mit
5 Silben in der 1. Zeile
7 Silben in der 2. Zeile
5 Silben in der 3. Zeile
liefert das Muster für Haiku-Neuschöpfungen. Diese sollten inhaltlich
- sich auf etwas Gegenständliches aus der Natur beziehen
- dieses in ein konkretes Geschehen einbetten
- das wiederum in einer überraschenden Wende von der 2. Zeile zur 3. Zeile eine Verallgemeinerung erfahren soll.
Ein Beispiel für ein traditionelles Jahreszeiten-Haiku:

Schau, die Nachtigall!
An der Pflaumenblüte wischt
Sie die Füßchen ab!

(Japanisches Jahreszeiten. Tanka und Haiku aus dreizehn Jahrhunderten, aus dem Japanischen übertragen von Gerolf Coudenhove. Manesse Verlag, Zürich 1963, S. 63)

Kommentar
Die Kurzform zwingt zu genauer Beobachtung und präziser Wortwahl. Schreibanfänger können von den inhaltlichen Festlegungen entbunden werden, sodass sie lediglich ein Gedicht mit 17 Silben verfassen müssen. Auch inhaltlich bieten sich viele Varianten. So eignet sich das traditionell der Natur-Thematik verhaftete japanische Haiku hervorragend zur Ökologie-Lyrik. Auch eine Änderung der Thematik ist möglich, zum Beispiel: ein Zitat/Titel aus der Literaturgeschichte wird gewählt (Literatur-Haiku) oder menschliche Verhältnisse werden in humoristisch-satirischer Form thematisiert (=Senryu).


Renga

Lyrisches Kettengedicht
Dauer: 45 Minuten

Beschreibung des Spiels
Reihum wird ein japanisches Kettengedicht, ein Renga verfasst. Es hat eine dem Haiku verwandte Form, nämlich:

1. Strophe: 7 Silben/ 7 Silben
2. Strophe: 5 Silben/ 7 Silben/ 5 Silben
3. Strophe: 7 Silben/ 7 Silben

Diese Struktur notiert sich jeder auf ein Blatt, schreibt dann die erste Zeile und reicht das Blatt weiter, bis die Kettengedichte fertig sind. Die inhaltliche Verknüpfung sollte dabei lediglich durch ein für alle verbindliches Motiv (zum Beispiel „Frühling“) hergestellt werden.

Variationen
Der erste Schreiber verfasst die 1. Strophe, der zweite als Antwort die 2. Strophe, der dritte zusammenfassend die dritte und so weiter.

Kommentar
Das Renga wurde im Japan des 14. Jahrhunderts als Gesellschaftsspiel betrieben, das darin bestand, in dichterischer Wechselrede zu der 2. Strophe eines Tank (Dreizeilers mit 5 7 5 Silben) eine neue 1. Strophe (Zweizeiler mit jeweils 7 Silben) zu dichten, zu dieser wieder eine 2. Strophe und so weiter.