17 April 2007

28. März 2007

In dieser Stunde gab ich die Ergebnisse der Umfrage bekannte. In den Tagen zuvor war ich mit dem Aufstellen eines Planes beschäftigt. Für die letzten zwölf Doppelstunden in diesem Schuljahr wollte ich alles gut verteilen.
Der nächste Themenblock beschäftigte sich mit der Idee „Die Phantasie benutzen“ und das taten wir in dieser Stunde auch.
Es war ein beklemmend sonniger Tag, vielleicht einer der sonnigsten in diesem frühen Jahr. Dennoch war es bei uns im Latein-Saal duster. Dies hatte ich mit Absicht getan, um die Atmosphäre an die heutige Schreibaufgabe anzupassen.
Jeder musste seine Augen schließen und ich fing an, die Vorgeschichte des heutigen Tages neu zu erzählen:

Jeder von uns hatte heute große Schwierigkeiten das Haus zu verlassen, denn als meine Mädels heute aus ihren Fenstern geschaut haben, lag der Schnee bereits einen halben Meter hoch. Dennoch kämpften sie sich zur Schule, da der Schnee bei uns niemals lange liegen bleibt. Das Wetter war ungewöhnlich und auch das Lehrerkollegium beratschlagte in der zweiten Stunde, ob der Unterricht heute nicht früher enden sollte, doch da es mittlerweile wieder aufgehört hatte, ließ man diese Idee fallen. Doch ab der fünften Schulstunde fing es dermaßen an zu schneien, dass die Umgebung draußen nicht mehr zu erkennen war. Der Schnee fiel so dicht und schnell, dass innerhalb von einer halben Stunde ein halber Meter Neuschnee gefallen war. Selbst der Hausmeister der Schule staunte nicht schlecht, da er draußen keine Luft bekam, weil es so sehr schneite.
Von all dem wussten die Schüler drinnen aber noch nichts. Nach der sechsten Stunde konnten sie noch ganz normal das Schulgebäude verlassen. Durch die Lehrerkonferenzen hatte jeder Schüler nach der sechsten Stunde frei, sodass nur noch meine Schäfchen und ich im Neubau waren. Wir hielten ganz normal unsere zwei Stunden ab.
Ich selbst war krank und hatte die Grippe, war aber trotzdem gekommen. Nach der Stunde gingen wir nach unten und stellten fest, dass die Schneeverwehungen den ganzen Eingang blockiert haben. Da die Schule wie verrückt heizt, waren die Türen warm. Der dagegen gewehte Schnee schmolz und vereiste die Türen. Dies bedeutete, dass wir in der Schule eingeschlossen waren und dort übernachten mussten. Inzwischen braute sich ein großer Schneesturm über uns zusammen und der Schnee lag mehr als zwei Meter hoch. Da er sehr dicht fiel, hatten unsere Handys keinen Empfang.

Dies war unsere Ausgangssituation. Angeregt wurde sie durch ein Schreibspiel aus „Schreibwerkstatt“ von Klaus Vopel:

Schneesturm
Ziele: Die Teilnehmer stellen sich vor, was geschähe, wenn die Gruppe von einem Schneesturm überrascht würde und nicht nach Hause gehen könnte: Sie müssen über Nacht zusammenbleiben. Sie – der Leiter – können sich nicht um die Gruppe kümmern. Eine schwere Grippe setzt Sie schachmatt. Diese imaginäre Situation ist dann besonders fruchtbar, wenn die Gruppenmitglieder sich noch nicht gut kennen. Jeder kann nur darüber spekulieren, wie sich die übrigen Teilnehmer in dieser Situation verhalten würden. Vorurteile können dabei deutlich werden, aber auch realistische Einschätzungen der anderen.
Anleitung: Stellt euch vor, dass unsere Gruppe von einem gewaltigen Schneesturm überrascht wird. Der Wind heult um das Gebäude und es schneit ohne Unterbrechung. In den Straßen liegt meterhoher Schnee und es ist unmöglich, dass wir nach Hause gehen. Natürlich haben wir uns nicht darauf vorbereiten können. Wir müssen die Nacht in diesem Gebäude verbringen. Ich selbst kann mich nicht um die Gruppe kümmern. Ich leide unter einer schweren Grippe mit hohem Fieber und muss die Nacht allein in einem anderen Raum verbringen. Wie würde diese Nacht ablaufen? Was würde geschehen? Schreibt einen Bericht über die Gruppe. Erwähnt die Namen der anderen Gruppenmitglieder und beschreibt kurz jeden einzelnen. Berichtet, was jeder tut und sagt.


Die Berichtform ließ ich weg, da sie mir zu trocken erschien. Die Handlung setzte ich sofort in die Realität. Ich fragte die Mädchen mit großen Augen, was wir jetzt machen sollten und wer noch etwas zu essen dabei hatte. Während die Mädchen ihre Texte schrieben, zeichnete ich als Verbildlichung unserer Lage ein Fenster an die Tafel – mit einem Ausblick in einen waschechten Schneesturm.

Hier ein Beispiel von Annika:

„Langsam zog die Kälte durch das Fenster. Vielleicht war die Heizung kaputt gegangen. Der Hunger nagte an uns und Mara kämpfte mit ihrer Wasserflasche. Das Wasser war von einer dünnen Eisschicht überzogen. Ich hatte sie ja gewarnt, die Flasche ans Fenster zu stellen. Jetzt bekam Norsin einen schrecklichen Hustenanfall. Schnell brachten wir uns hinter den Tischen in Sicherheit. Bloß nicht krank werden! Wir packten unsere Ranzen aus und legten sie als Decke auf unsere zitternde, sich am Boden windende Norsin. Astrid indes ging zum fünften Mal runter zum Bäcker, um Durstlöscher für uns zu holen. Auf den Weg zurück zu den anderen prüfte sie, ob die Türen sich immer noch nicht öffnen ließen. Durch die dicke Eisschicht an dem Glas konnte man nicht erkennen, dass es noch schneite, aber wir hörten den Wind heulen und spürten die klirrende Kälte. Maras Kampf mit der Wasserflasche war inzwischen soweit ausgeartet, dass sie sie an die Scheibe hämmerte in der Hoffnung, dass das Eis zerspringen würde. Doch nicht das Eis brach, sondern die Scheibe und Mara trudelte durch die Wucht ihres Schlages durch den Raum und fiel schließlich über die Fensterbank ins Freie. Tatjana rannte zum Fenster und sah zu, wie Mara langsam im Schnee versank.
„Oh mein Gott“, sagte Tatty verwirrt.
Alex, die einer seltsamen Panik verfallen war, grinste verrückt und lachte: „Tja, … jetzt ist endlich Ruhe …“ Sie zuckte und krächzte ihr schauriges Lachen. So war sie jetzt schon seit etwa einer Stunde. Sie hatte wohl den ganzen Tag noch nichts gegessen und außerdem litt sie an einer fürchterlichen Schneephobie.
Das Licht flackerte. Schließlich ging es ganz aus. Der Strom war ausgefallen.
Da drang von unten ein Geräusch zu uns. Patricia rannte zum Fenster und schrie: „Vivi! Sie lebt, sie lebt!“ Vor lauter Freude fiel sie ihn Ohnmacht. Vivi kletterte voller Zuversicht die Wand des Neubaus hoch und zog sich durch das zersprungene Fenster. Sie hatte ihre Sachen im Schnee verloren und litt wie wir unter dem quälenden Hunger. Doch ihre größte Sorge galt Norsin. Sie lief zu ihr und nahm sie in die Arme. Mit einem Satz war Astrid bei ihr und riss sie wieder weg. „Pass auf, Viviane. Norsin könnte dich anstecken.“ Wir konnten uns nur mit Mühe wieder beruhigen und ich schlug vor, erstmal den Raum zu wechseln, weil durch das zerbrochene Fenster der eisige Schnee hereinwehte. Also weckten wir Patricia und gingen gemeinsam in den Nachbarraum. Nur Norsin und Vivi blieben im Flur, damit sie uns nicht anstecken konnten. Dann begannen wir damit, alles aufzuschreiben, was passier war. Falls wir sterben würden, konnte so jeder unsere Geschichte, unsere Qualen lesen. Da hörten wir, wie die Glasscherben der Fenster im Flur zersprangen. Sie hatten dem Druck nicht mehr standgehalten. Auch unseres krachte schon bedrohlich. Schnell liefen wir raus und zogen mit Vivi und Norsin nach unten. Tatsächlich waren auch die Türen geborsten und wir kämpften uns gemeinsam bis zum Rugbyring, auf dem dank Massen an Schneepflügen kein Schnee mehr lag, durch. Endlich gerettet. Wir waren zerkratzt und blutete aus tausend Wunden, doch wir waren glücklich.“


Und hier ein Beispiel von Patricia (das besonders fies ist!):

„Na toll. Wir sitzen hier fest.“ Angenervt rüttelt Norsin an der Tür. Ein Niesen folgt der Aussage und wir weichen ängstlich vor ihr zurück. Keiner will mit Vogelgrippe infiziert werden. „Was schreibst du da, ich habe gar keine Vogelgrippe!“, würde Norsin jetzt protestieren. Wie gut, dass sie nichts weiß, was ich weiß, dass sie nie wissen will.
„Vielleicht kommt heute Nacht ein Prinz und rettet mich“, sage ich.
Was mit den restlichen Leuten, die ich meine Freunde nenne, wäre, fragt mich Astrid.
Tja, bei Liebe hört die Freundschaft auf.
„Und wenn ich die Wahl hätte, zwischen euch und dem ultimativen Dreamboy, fiele mir die Entscheidung nicht schwer.“
Böse Blicke habe ich mir mit dieser Aussage verschafft. Aber hier geht es weder um Freundschaftsbeweise, noch um die Liebe meines Lebens; es geht ums nackte Überleben; wir sind eingeschlossen in unserer Schule, haben keine Fluchtmöglichkeit. Noch funktionieren Licht und Heizung … aber sollten selbige ausfallen, haben wir zwei Aktionen zur Auswahl: Entweder wir springen aus einem Fenster, das man öffnen kann und sterben einen schnellen Tod, bewusstlos werden wir schon im Fall und sterben werden wir durch den Kälteschock. Wir können aber auch einfach dahinsiechen und Stunde um Stunde darauf warten, dass der Tod langsam und kalt eintritt. Für Norsin ist es eigentlich egal, sie wird ohnehin an ihrer Vogelgrippe sterben.
Vivi ist gerade der Meinung, man müsse sich kaputtlachen, deshalb tut sie das auch gerade. Tatti und ich müssen mal zur Toilette. Im Mädchenkloraum ist es kalt.
„Krass, wollen die, dass ich auf der Klobrille festfriere?“
Ich beeile mich auch schon, kaum zu glauben, mit welchen Problemen man hier konfrontiert wird. Wir sind lost in einer Schule! Kein Mensch macht auch nur Anstalten uns zu bergen. Man kann nicht mal wo anrufen. Kein Empfang. Traurig, aber wahr.
„Hast du’s bald?“, fragt Tatti. Oh. Ich wäre fast eingeschlafen. Unter dem Schlitz zwischen Tür und Boden kriecht eine Hand herein. Ich ziehe Wasser.
Moment – eine HAND?! Hysterisch kreische ich und springe auf die Klobrille, einen Deckel hat sie schließlich nicht.
„Was ist, was ist denn?!“, will Tati wissen und hämmert an die Tür.
„Verarsch mich nicht und nimm deine Scheiß-Hand da unten weg!“, sage ich empört.
Sie sagt, ihre Hand sei das nicht. Gut, ich trete jetzt darauf und wenn es doch ihre war, hat sie Pech gehabt.
Mittlerweile wuselt die mysteriöse Hand mit Arm suchend über den Boden!
BAMM!
Ich war darauf getreten und hielt sie mit dem Fuß fest. Kein Laut von Tatti, außer ihrer „Was ist“-Frage. Ich glaube, es ist wirklich nicht ihre.
Oh mein Gott. Ich bleibe auf ihr stehen und betrachte sie.
„Sieht aus wie `ne Jungenhand.“
Ich glaube, Tati hält mich für bekloppt, sie hat sie immer noch nicht gesehen. Ich verbiege mich, soweit es geht und kann die Tür öffnen. Tatti wird von Schreck ganz blass.
„Die kommt aus der Nachbartoilette“, stammelt sie und ich bitte sie, dort nachzusehen. Doch sobald die Tür offen ist, verschwindet die Hand, sie löst sich einfach in Luft auf“
„Okay“ – sagen wir gleichzeitig und rannten so schnell wir konnten zu den anderen zurück.
„Hier spukt es“, schreien wir.
Vivi lacht sich kaputt. Schon wieder oder immer noch, keine Ahnung.
„Toll – wie in unseren Geschichten!“, freut sich Norsin und röchelt.
„Ich habe Hunger“, sagt Alex und angelt sich einen Durstlöscher hinter der Theke hervor. Sehr sättigend.
„Vorhin war da in der Toilette ein Jungenschatten. Also so von einem 18-Jährigen, schätze ich. Ich sah ihm im Spiegel, aber als ich mich umdrehte, war er weg!“
Annika schüttelte sich, um ihre Gänsehaut zu bekunden.
Wir erzählten allen von der komischen Hand, die sich auflöste und Norsin röchelte. Auf einmal flackerte das Licht. Dann erschien neben Astrid der Schatten. Astrid sprang geschockt zur Seite.
„Was willst du denn jetzt?“, fragte Mara ihn, „Hast du wenigstens was zum Essen dabei?“
Er sprach nicht, er schaute nur, wobei keiner wusste, wohin. Alex hatte ihren Durstlöscher geleert und Vivi nahm ihn ihr ab und warf ihn dem Schatten an den vermeintlichen Kopf.
Norsin hustete.“

23 März 2007

21. März 2007

Aus einem neuen Buch (Schreibwerkstatt – Klaus Vopel) hatte ich einen Themenblock ins Auge gefasst, den wir am Valentinstag großzügig übersehen haben.

Das große Thema dieser Stunde waren Gefühle, darunter ganz besonders die „Liebe“.

Zuerst fing ich mit der Fragestellung an, wie man sich fühlt, wenn man verliebt ist und sich ankleidet. Oder einen Apfel isst. Oder den Rasen mäht.

Meine erste Schreibaufgabe lautete, dass die Mädels sich eine Tätigkeit aussuchen mussten, die sie in ihrer Geschichte nachgehen, egal, ob Segelboot fahren, lesen, zeichnen oder essen. Jeder hatte die freie Wahl, zwischen einer oder mehreren zu beschreibenden Tätigkeiten zu entscheiden. Alle paar Minuten warf ich jedoch ein Gefühl in den Raum, die in die Geschichte eingearbeitet werden musste.

Hoffnung – Liebe – Hass – Freude – Wehmut – Trauer

Diese Gefühle mussten in die Texte mit eingearbeitet werden. Ich bemühte mich, möglichst unterschiedliche Gefühle zu nehmen, um im Text einen häufigen Wechsel herbeizuführen.

Hier ein Beispieltext von Lisa:

Sonntagnachmittag. Die perfekte Zeit, um nichts zu tun. Oder um zu lesen. Da ich eher letzteres bevorzuge und ich die Hoffnung hatte, heute nicht zur Hausarbeit verdonnert zu werden, lag ich auf meinem Bett und versuchte möglichst geschäftig meine Nase in ein Buch zu stecken. Man lies mir tatsächlich fünf Minuten Ruhe, bevor ich „liebenswürdig“ gebeten wurde, den Rasen zu mähen. Nicht, dass ich eine grundlegende Abneigung gegen Gartenarbeit habe … nun gut, habe ich eigentlich doch – aber im Moment konnte ich mir dreikommasechssieben Milliarden bessere Dinge vorstellen. Auch, wenn Rasenmähen praktisch noch zu den Dingen gehörte, die ich liebte. Trotzdem, in manchen Momenten hatte ich nun mal einen Riesenhass auf alle Arten von Arbeit. Zum Beispiel in diesem Moment. Von einer freudigen Reaktion konnte man also nicht sprechen. Schließlich hatte diese Arbeit nun einen Vorteil: Man musste hinterher nicht mehr das Laub aufsammeln, da schließlich alles schon zerhäckselt wurde. Auch eine Beschäftigung, an die ich mich eher mit äußerst verhaltener Wehmut erinnere. Während ich also diverse Kleintiere von der Rasenfläche verscheuchte, trauerte ich in Gedanken meinem freien Nachmittag nach.


Sie erfüllte die Aufgabe sehr gut. Durch die häufigen Wechsel der Gefühle merkte man, dass die Figur über ihre Tätigkeit reflektierte, was ich ebenfalls beabsichtigt hatte.

Annika schrieb über ihre geliebten Krabbenchips und den Ärger, als ihre Mutter ihren Lieblingschip wegaß. Der Verlust des Chips beschrieb sie gekonnt lustig.

Die Figur von Patricia machte es sich in ihrem Bett gemütlich und dachte darüber nach, wie schön es wäre, das Schlafgemach mit einem Adonis zu teilen. Ironisch zog sie hier über die Männerwelt her.

Astrids Figur hatte Liebeskummer und betrachtete ihr Gesicht im Spiegel. Auch sie reflektierte viel und übertrug ihre Gefühle vom oberflächlichen Ärger über den schmutzigen Spiegel zu der inneren Gedankenwelt.

Diese Übung hatte ich als kleine Einführung geplant.

Umfangreicher wollte ich das nächste Spiel gestalten, in der sich jeder der Mädchen eine bekannte, berühmte Person aussuchen sollte, nach der sie sich sehnten, die sie bewunderten oder mit der sie sich ein Treffen wünschten, die aber unerreichbar ist. Nun trat aber die Situation ein, dass sie diese Person treffen. Oder ihr einen Brief schreiben. Oder einfach nur die Gelegenheit bekommen zu sagen, was sie an dieser Person bewundern.
Auch hier ein Beispieltext von Lisa:

Frankreich hat sicher einige tragische Helden. Doch mein persönlicher Favorit ist immer noch Jeanne D’Arc. Ich meine, für diese Zeit war sie schon erstaunlich emanzipiert. Und auch die oben erwähnte Tragik fehlt nicht. Erst für das Land gekämpft und ungemein christlich gewesen, dann verraten und als Hexe verbrannt. Wurde die Asche nicht in die Seine geworfen? Egal, auf jeden Fall für dieses Zeitalter eine ungewöhnliche Frau, an der sich schon damals die Gemüter geschieden haben.

Eigentlich wollte ich diese Schreibaufgabe nutzen, um auf ihr die dritte und letzte für heute aufzubauen, aber viele wählten Figuren, die nicht alle kannten (beispielsweise die Antigone von Sophokles) und so entschied ich für eine separate dritte Runde.

In der dritten Runde durfte sich jeder eine berühmte, bekannte Person aussuchen und schrieb sie auf einen Zettel. Diese wurden dann gemischt und neu verteilt. Jeder musste dann einen Liebesbrief an diese Person schreiben.

Harrison Ford, Orlando Bloom, Adam Opel, Ville Vallo und Till wurden verteilt und den einzigen richtigen Liebesbrief bekam nur Orlando Bloom. Die anderen bekamen teilweise charmante Briefe, die einschleimend nach Liebe trieften, aber auf ein anderes Ziel abzielten, als den Absender zu betören.

Ville Vallos Brief gehörte zu dieser Sorte. Nach vielen Liebkosungen wurde nach der Nummer des Schlagzeugers gefragt.

Harrison Ford hingegen wurden „große Gefühle“ ausgesprochen, die sich am Ende aber als Hasstiraden gegen seine schlechte Schauspielkunst entpuppten.

Durchaus sehr amüsante „Liebes“briefe wurden geschrieben, die vor allem die Adressaten (die Mädchen, die die Personen ausgesucht haben) sehr grinsen ließen.

14. März 2007

In dieser Stunde hatte ich viel vor. Zunächst verteilte ich einen kleinen Umfragezettel:

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Mögliche Themenschwerpunkte der Schreibwerkstatt bis zu den Sommerferien sind:
(Bitte nur maximal drei Sachen ankreuzen, sonst zählt der Zettel nicht!!!)

O Jedes Bild erzählt eine Geschichte
O Die Fantasie benutzen
O Ich erinnere mich
O Einfache Gedichte
O Wer bin ich?
O Beziehungen erforschen
O Gemeinsam schreiben
O sonstige Vorschläge: ______________

Ich würde gerne folgendes Schreibspiel ausprobieren
(Altes wiederholen? Ein Neues?):
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Ich habe folgende Kritik, Anregung oder Lob:
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Diese ließ ich ausfüllen und erwartete gespannt auf Ergebnisse. Die Umfrage werde ich als Grundlage für unsere nächsten Stunden nehmen.

Danach packte ich eine Packung mit Süßigkeiten aus, machte sie umständlich aus, griff zur Schere und suchte mir in mühevoller Arbeit einige Baiser-Ostereier aus. Dies tat ich nebenbei, denn hauptsächlich fragte ich meine Mädels, ob sie Lust hätten, in der nächsten Stunde einen Themenblock zum Thema „Liebe“ durchzunehmen. Die Idee hatte ich aus einem neuen Buch, das ich mir bestellt hatte und auch von einer „Stern-TV“-Sendung, bei der es um das Schreiben von Liebesbriefen ging. Während ich mir die Meinungen von meinen Mädels einholte (sie hatten nichts gegen solch eine Stunde einzuwenden), hingen sie mir an den Lippen und machten furchtbar große Augen, als ich weiterhin meine Süßigkeiten verzerrte, ohne irgendwelche Anstalten zu machen, ihnen etwas abzugeben.

Schließlich platze einer der Kragen: „Das ist doch eigentlich asozial!“

Ich konterte: „Wieso? Die sind voll lecker.“

Es gab ein allgemeines Aufstöhnen und alle sahen mich mit hungrigen Augen an. Demonstrativ wühlte ich in der Packung, griff nach einem Gummihäschen, hob es in die Höhe und gab bekannt, dass die besonders lecker seien. Wieder allgemeines Geraune und dann der Spruch: „Das ist voll fies!“ Ich hakte nach, was daran fies sei und leitete damit zu meinem Schreibspiel ein: meine Mädels sollten eine Textstelle schreiben, in der sie etwas essen, essen werden oder gegessen haben. Sie sollen in der Ich-Perspektive schreiben und ganz genau beschreiben, wie sich ihre Sinne verhalten, wie sich die Umgebung verändert und natürlich sollten sie ganz besonders auf den Geschmack eingehen.

Nachdem ich die Aufgabenstellung verdeutlicht habe und letzte Fragen geklärt, verteilte ich die Süßigkeiten. Diese Schreibaufgabe sollte den Geschmackssinn behandeln und gleichsam auch die letzte Schreibaufgabe zum Themenblock „Sinne“ bilden.

Das Ergebnis waren wundervolle Texte.

Astrid beschrieb, wie eine in Gefangenschaft geratene Frau, die deutliche Verletzungen aufwies, nach der Befreiung zum ersten Mal wieder Orangen isst. Besonders gekonnt beschrieb sie, wie die Säure der Früchte zwar in den Wunden schmerzten, das Essen aber trotzdem einer göttlichen Offenbarung gleichkam.

Vivianes Figur wurde wahnsinnig, nachdem sie ihr Lieblingsessen nicht bekam.
Tatjanas Hauptperson war zum Essen bei den Eltern ihres Freundes eingeladen worden, wo ein besonders ekelhafter Fisch mit Augen serviert wurde. Den Ekel der Hauptfigur beschrieb sie sehr gekonnt.

In Patricias Geschichte ging es um eine erzwungene Erpressung um bestimmte Details. Das Mittel dazu war ein leckeres Hühnchen.

In Alexandras Geschichte hingegen ging es um den genussvollen Besuch in einem Fast Food Restaurant in einem Flughafen – und das nach einer langen Asia-Reise, bei der die Hauptfiguren nur Reis gegessen hatten.

Ein Textbeispiel von mir:

„Ja, auch ich habe ab und an Liebesbeziehungen. Da staunt ihr, oder? Erst letztens wieder – das muss ich euch unbedingt erzählen. Es begann in einer mir unbekannten Konditorei in einer mir unbekannten Stadt. Ich setze mich auf einem der ekelhaft weißgelben Plastikstühle und bestellte mir einen Kaffee, der in kleinen, spießigen Tassen gebracht wurde. Bevor meine Lippen das Porzellan berührten, sah ich ihn. Er war braungebrannt und groß und starrte zu mir zurück. Mein Herzschlag setzte einen Moment aus und mein Mund klappte auf. Ich riss meine Augen auf und Tränen des Glücks füllten sie. Wie eine leblose Marionette ließ ich die Tasse fallen, die lautlos auf dem Steinfußboden aufschlug und zerschellte, stand auf und rannte zu ihm hin. Die ganze Welt drehte sich nur noch um ihn und mein Verlagen steigerte sich ins Unermessliche. Ich wollte nur noch ihn. Ein Schrei des Glücks drang aus meinem Mund, der zu einem gigantischen Schlund wurde. Miene Hände umklammerten zitternd einen nackten, hilflosen Körper und dann verschlang ich ihn in wenigen Augenblicken – meinen Schokoladenkuchen.“

Die Schreibaufgabe fand viel Anklang (besonders die Beilage) und ich war überrascht, wie viele verschiedene Situationen den Mädchen einfielen.

Die zweite Schreibaufgabe des Tages handelte von Farben. Ein letztes Mal wollte ich den Sehsinn behandeln. Auf einem Tisch hatte ich mehr als zwanzig farbige Blättchen verteilt und jeder durfte sich eines aussuchen, was gerade zu seinem Leben oder das einer fiktiven Person passte. Jeder sollte eine kurze Erklärung schreiben.

Das Ergebnis war ein bunter Mix zu den verschiedensten Themengebiete, darunter sehr klischeehafte und auch sehr persönliche Stellungnahmen.

Zum Abschluss wünschte sich die Mädels eine abschließende Runde „Mafia“. Dieses Mal sollten die Verbrecher an der eigenen Schule gesucht werden. Lehrer und Schüler beratschlagten sich und schon nach zwei Runden wurden alle Verbrecher gefunden und vom Dienst suspendiert.

07. März 2007

Meine Androhung für diese Stunde blieb bei einer Androhung. Den Stuhlkreis ließ ich nicht errichten, um einen eigenen Chor auszuprobieren (diesen Sinn wollte ich nicht ausprobieren), sondern um ein Rollenspiel durchzuführen. Und im Vorfeld war ich sehr gespannt, ob mir dies gelingen würde.

Das Rollenspiel habe ich selbst mal als Schülerin miterleben dürfen und seitdem schwebte sie mir immer im Hinterkopf, doch ich bekam nie Gelegenheit, es zu wiederholen. Vor allem die Fantasie der Kinder wollte ich damit ansprechen.

Zunächst ließ ich sie alle Platz nehmen und wir suchten uns eine Stadt aus. Die Wahl fiel schnell auf Venedig. Danach sollte sich jeder eine Rolle ausdenken, die er passend zum Ort übernehmen wollte. Dazu sollte sich jeder einen neuen Namen ausdenken, kurz beschreiben, was er in der Stadt macht und ob er jemanden aus der Gruppe kennt.

Ich selbst spielte als Spielleiterin die Bürgermeisterin Bella der Stadt Venedig. Ich stellte mich bei Beginn des Spiels theatralisch vor („Ich vertrete die KPI – die Kinderpartei Italien! Wer hat mich gewählt?!“) und ließ dann jeden in seine Rolle schlüpfen.

Dabei war eine Kunsthändlerin, eine Touristin aus Japan, die kein Wort Italienisch konnte, zwei Schülerinnen, ein Obdachloser, der sich in der Nacht in einen Werwolf verwandelt, eine Händlerin, die einen kleinen Laden mit Masken für Karneval betreibt, eine Rentnerin, dessen Sohn kriminell ist und die selbst Touristen hasst. Ihre Untermieterin war eine Amerikanerin, die Archäologin im Indiana-Jones-Stil war und für den Erhalt der Stadt kämpfte.

Nach der Vorstellung leitete ich in das Geschehen ein. Mit todtrauriger Stimme erzählte ich, dass der Sohn der Rentnerin Tod aufgefunden war und der Täter schnellstens gefunden werden musste. Nach dieser Einleitung ließ ich die Mädels Zettel ziehen, auf denen drauf stand, welcher Partei sie angehörten. Ich teilte sie in fünf normale, ehrliche Bürger, zwei Mafiosi und einen Detektiv auf. Niemand durfte dem anderen seine wahre Identität verraten.

Nun begann das Rollenspiel. Jeder sollte berichten, was er über den Mord an dem Sohn der Rentnerin wusste. Schnell wurden Verdächtigungen und Anschuldigungen laut und der Obdachlose gab zu, als Werwolf an den Beinen des Opfers geknabbert zu haben.

Nach einer Abstimmung mussten wir einen Angeklagten wählen und zum Tode verurteilen. Der Obdachlose gesellte sich zu mir und ich ließ es Nacht werden.

Dies bedeutete, dass jeder Bürger in Venedig die Augen schließen musste. Dann bat ich darum, dass nur die Mafiosi ihre Augen aufmachen und auf ihr nächstes Opfer deuten. In diesem Spiel waren die Kunsthändlerin und die Touristin aus Japan die Mörder und töteten eine Schülerin, die sich ebenfalls zu mir gesellte. Danach mussten die Mafiosi ihre Augen schließen und die Detektivin (eine Doppelagentin, die von der anderen Schülerin gespielt wurde) musste die Augen öffnen und auf jemanden deuten. Danach ließ ich es wieder morgen werden und alle durften ihre Augen öffnen.

Zunächst enthüllte ich die wahre Identität des Obdachlosen. Er war ein armer Bürger gewesen. Danach gab ich bekannt, dass unsere geheime Doppelagentin leider einen Bürger überprüft hatte. Dann leitete ich über zum Mord des nächsten Bürgers.

Das Spiel wiederholte sich und die Japanerin wurde als nächstes verdächtigt und gehenkt.
Während der Nacht wurde dann die Maskenhändlerin tot aufgefunden und der letzte Mafiosi musste gefunden werden. Es ging spannend aus, da man zunächst die Agentin hängte.

Zum Schluss waren nur noch die Amerikanerin, die Rentnerin und die Kunsthändlerin übrig. Es kam zufällig zu dem Zufall, dass sich die beiden Mieter immer gegenseitig ein Alibi gegeben haben, sodass die Kunsthändlerin gehängt und die Bürger gesiegt haben.
Ich wiederholte auf Wunsch das Spiel.

Dieses Mal spielte es sich in London ab und wir gingen zurück ins Mittelalter zur Zeit der Hexenverbrennung. Eine Zigeunerin, eine alte Hexe, ihre Tochter, die sie als Baby ins Waisenhaus geben musste und die selbst jung ein Kind bekommen hatte, das nun vier Jahre alt war und die dritte Person war. Des Weiteren gab es eine Ehefrau, die gut Kuchen backen konnte, ein Inquisitor namens Charles, der zwei wunderschöne Töchter hatte, von denen seine Lieblingstochter leider rote Haare hatte.

Dieses Mal war die Lieblingstochter die Doppelagentin und wählte beide Male gleich die Verbrecher auf. Geschickt lenkte sie die Beschuldigungen auf die Figuren, sodass nach zwei Hinrichtungen die Bürger gesiegt haben. Leider waren die Hexe und die Frau, die gut Kuchen backen konnte, die Verbrecher, sodass ihre Rollen schnell zur Überführung führten.

28. Februar 2007

Für diese Stunde hatte ich ein großes Rollenspiel eingeplant. Da ich allerdings mindestens fünf Spieler brauchte, hatte ich zuvor einen Notfallplan ausgearbeitet, der dann zum Einsatz kommen musste, weil wir nur zu viert waren.

Die Aufgabe fing nun folgendermaßen an:

Jeder brauchte ein Blatt und schrieb einen Titel für eine Geschichte auf. Jeder dachte sich natürlich einen Titel aus, den er für seine eigene Geschichte auswählen würde. Groß war dann die Verblüffung, als der Zettel an den Nachbarn weitergereicht werden musste. So gingen die Zettel von Schreiber zu Schreiber. Jeder versuchte sie in seine Richtung zu verbiegen, sodass viele überraschende Wendungen typisch waren.


Jesus war ein hässlicher Kerl
Mein größter Stolz war ein Goldfisch. Da er einen merkwürdigen Kragen hatte und einen dunklen Fleck auf dem Kopf, nannte ich ihn Jesus. Jesus war ein komischer Fisch, der ständig Selbstmord begehen wollte und aus dem Aquarium sprang. Und er hasste Clinton und Tomtom, seine Mitfische.
Manchmal versuchte er sich zu erdrosseln oder mit den großen Steinen im Aquarium den Schädel zu zerschmettern. Das was der Grund, weshalb sie ihn nicht mochten, na ja eigentlich hassten sie ihn, aber dass ich nicht so wichtig. Als ich das merkte, trennte ich mich von den beiden Mitfischen und steckte Jesus für vier Jahre in eine Fischanstalt.
Die Jahre in der Fischanstalt waren grauenvoll. Habe ich das verdient? Abstoßende Mordgedanken tragen doch nicht dazu bei, dass ich in dieser Anstalt verkümmere!! Unverschämtheit! Mörder werden auch nicht eingesperrt, bevor sie einen Mord begehen! Blubb!!!
Doch was kann ich schon groß daran ändern? Nichts! So blieb ich also all die Jahre in dieser Anstalt und lernte neue Fische kennen. Sie waren alle voll fischig drauf und niemals hätten sie in eine Fischanstalt gehört.

Sie machten mich verrückt. Sie erinnerten mich an meinen größten Stolz. Und so sprang ich von Glas zu Glas und tötete sie alle.

Ich ermahne meine Schüler sehr oft, dass sie sich nicht auf reale Personen beziehen dürfen. Besonders bei der Cluster-Collage vor Weihnachten musste ich viel zensieren und schimpfen, bevor sie ausgestellt werden durfte. Da mir dies aber nun doch passiert ist, entschuldige ich mich im Namen der Schreibwerkstatt sehr. Ich werde das Thema in der nächsten Stunde noch einmal mit meinen Schülern besprechen und auf die Dringlichkeit hinweisen, dass niemand reales in ihren Texten gekränkt werden darf.

21. Februar 2007

Nach den vielen Stunden, in denen fast nur geschrieben wurde, wollte ich dieses Mal etwas Abwechslung hineinbringen.

Am Anfang der Stunde legte ich einen Stapel Comics auf den Tisch und teilte die Gruppe in viele kleine Grüppchen auf. Partnerarbeit war angesagt.

Jeder durfte sich ein paar Comics nehmen und sollte sie zerschneiden. Garfield, Calvin&Hobbes, Käpt’n Blaubär, einige Mangas und Hermann-Comics wurden bunt durchgemischt.

Die Aufgabe war nun, dass ein neuer Comic erstellt werden musste und das mit möglichst vielen verschiedenen Comics. Die Sprechblasen mussten herausgeschnitten werden und ein neuer Text entwickelt.

Bald ging es zu wie auf einem Basar. Wer hat den Garfield essend? Wer hat ihn schlafend? Hat jemand eine weibliche Mangafigur, die er nicht braucht? Hat jemand eine Angel? Einen Fressnapf?

Die ganze Stunde waren sie mit dem Entwickeln einer neuen Geschichte, dem Schneiden, kleben und texten beschäftigt, bevor jeder zum Schluss stolz seinen eigenen Comic vorstellen durfte.

Bilder der Comics folgen noch :)

14. Februar 2007

Auch für diese Stunde hatte ich ein Vorbild aus der Vergangenheit. Als allerletztes Buch haben wir im Leistungskurs „Das Parfum“ von Patrick Süskind gelesen. Als Einführung in die Welt der Gerüche musste jeder ein Parfum mitbringen. Daran schnüffelten wir und mussten den Geruch mit Erinnerungen verbinden. Außerdem analysierten wir Parfum-Werbung, was psychologisch betrachtet noch mal ein kleiner Höhepunkt der Stunde war.

Aus der Stunde habe ich viel gelernt, vor allem, dass es nicht auszuhalten war, wenn jeder sein Parfum in die Luft sprühte und schnüffelte.

Ich bat meine Schreibwerkstattgruppe Sachen, die riechen, mitzubringen, egal, ob Parfumflaschen, Räucherstäbchen oder Fruchtbonbon, Duftkerzen und Duftbäume. Am Anfang der Stunde verteilte ich gleich Taschentücher für die Parfumleute, damit der Duft auf dem Tuch und nicht in der Luft war.

Zunächst ließ ich alle an ihren Sachen schnüffeln und auch sie mussten Sachen beschreiben, die sie mit diesem Geruch verbinden. Danach stellte ich ihnen das Buch von Süskind vor und legte dabei den Schwerpunkt auf die Hauptperson Jean-Baptiste Grenouille.

Ich ließ die Einleitung vorlesen, damit die Mädels und Jungs sahen, unter welchen Umständen und in welcher Umgebung Grenouille geboren wurde (auf einem Viktualienmarkt neben einem Friedhof an einem Fischstand; es stank bestialisch, war heiß und einige Jahrhunderte her). Ich stellte die Frage in den Raum, wie sich so ein Junge entwickeln konnte und was er werden könnte. Viele tippten, dass er wegen seiner guten Nase Parfumeur werden könnte.

Dass er zum Mörder werden würde, wussten nur diejenigen, die das Buch schon gelesen haben. Nun stellte ich eine Textstelle vor, in der Grenouille die Welt mit seiner Nase erkundete. Er war etwa sechs Jahre alt und verband die Worte mit den Gegenständen.
Nun sollten meine Mädels und Jungs ebenfalls eine Geruchsreise durchleben – mit Grenouille als Hauptperson. Dabei ließ ich die mitgebrachten Gegenstände herumgehen, sodass Abwechslung in die Geruchswelt kam.

Den Mädels machte die Übung Spaß, da Grenouille für sie eine merkwürdige, aber interessante Figur war und sie merkten, dass es gar nicht so einfach war, die flüchtige Welt der Gerüche zutreffend zu beschreiben.

07. Februar 2007

Auf diese Stunde war ich wahnsinnig gespannt, da ich eine große Vision hatte. Es sollte meiner Meinung nach das bislang anspruchsvollste Schreibspiel werden, das wir bislang versucht hatten.

Zuerst teilte ich die Mädels in Gruppen auf, die ich bestimmte, damit es zu produktiven Gruppen kam. Außerdem mischte ich die üblichen Grüppchen auf diese Weise kräftig durch.

Dann erklärte ich das Spiel:

Jede Gruppe sollte sich eine Situation ausdenken, in der es zu einem Dialog kommt, den man gut darstellen kann. Ideal wäre eine Konfliktsituation und nicht der übliche Smalltalk. Die beiden Gruppen durften sich untereinander nicht austauschen und ihre Idee nicht verraten.

Die Dialoge mussten schauspielerisch umgesetzt werden. Besonders wichtig waren hierbei natürlich die Gestik und die Mimik.

Nachdem beide Gruppen fertig waren, musste sich die erste vorne hinsetzen und die anderen spielten ihr Stück vor – allerdings ohne zu reden!

Das war eine Herausforderung, da man sich beim Reden mehr auf das Gehör konzentriert, als auf die Gestik oder Mimik – besonders, wenn man Textdialoge liest.
Die Gruppe, die zusah, musste sich zu dem vorgespielten passende Dialoge ausdenken und aufschreiben. Daher mussten die Gruppen ihre Stücke öfters vorspielen und „Stopp!“, „Freeze!“ und „Szene wiederholen!“ waren oft gehörte Kommandos.

1. Die erste Gruppe bestand aus zwei Brüdern und einer bösen Schwester. Die Brüder kamen in das Zimmer, setzten sich hin, stritten sich um einen Apfel und dann darum, wer den Lieblingsjoystick beim Playstationspiel bekommt. Beim Aufstehen merken sie, dass sie an ihren Stühlen festgeklebt sind. Die böse Schwester hat vorher Leim auf die Sitze gekippt.
Als die Eltern nach Hause kommen, spielt die Schwester das Unschuldslamm und behauptet, dass die Jungs ihr mit ihrem unerklärlichen Verhalten Angst machen.

2. Die zweite Gruppe thematisierte ein Streitgespräch zwischen zwei Models. Die eine hat der anderen den Freund ausgespannt und zwar aus Rache dafür, da diese ihren Bruder umgebracht hatte.

Beide Szenen waren anspruchsvoll und besonders der zweite enthielt viel Text. Jeder aus der „Regie“, der vorne saß, durfte seinen Text vorlesen und die Gruppe spielte ihre Szene dazu vor. Am Schluss gab es dann die große Auflösung, bei der es so einige Überraschungen gab.

Ich war sehr überrascht, wie gut alles klappte. Am Anfang hatte ich daran gezweifelt, ob ihnen die Aufgabe Spaß machen würde, da Schüler sonst ungern vor anderen etwas vorführen.
Doch da wir „unter uns“ waren und jeder jeden kannte und mochte, machte es ihnen sehr großen Spaß, ihre Texte schauspielerisch darzustellen, selbst wenn nicht gesprochen werden durfte.

31. Januar 2007

Meine erste Frage in dieser Stunde an meine Mädels und Jungs war, was denn ihr Lieblingsgeräusch war. Wir sammelten einige und diskutierten darüber, warum man sie mag.
Danach verteilte ich kleine Zettel, auf die jeder ein Geräusch seiner Wahl aufschreiben sollte. Auf den Zetteln stand schließlich folgendes:

Chorgesänge, Regen und Sturm, Flammen (knistern), Stille, Highschool Musical, Waldgeräusche, Feuer im Kamin, Gewitter, letzte Schulglocke, Wald, Das ruhige Atemgeräusch der Person, die man (sehr) mag, Regen auf Fensterscheibe, Regen, Vögel, Rammstein, Hardrock, Schritte im Schnee, Windrauschen, Vogelrufe, Wassergeräusche, Staubsauger, Heavy Metall.

Ich nahm die Zettel und ließ sie im gefalteten Zustand in einer Kiste verschwinden, wo sich schon folgende Geräusche befanden:

frieren, reisen, Feuer spucken, Eulenschrei, krank sein, Vogelgezwitscher, reden, Handyklingelton, Schritte, operieren, Hufgetrappel, Wind, Radio, husten, duschen, Katzengejammer, Regentropfen, laufen, Donner, Babyschrei, Zähne putzen, Auto fahren, Bild malen, Luftballon blasen, Echo, Party feiern, Sturm, Fotos machen, kochen, grillen, Rasenmäher, hupen, schwimmen, Hundebellen, tanzen, schnarchen, Apfel essen, fliegen, klatschen, Zähneknirschen, Suppe schlürfen, Flöte spielen, weinen, Mikrowelle, Schießerei, lachen, weggehen, Schrei, Haare föhnen, singen, Glockengeläut, telefonieren, marschieren, tapezieren, jubeln, Blumen gießen.

Ich hatte sie am Tag zuvor vorbereitet. Nun präsentierte ich die Kiste den Kindern. Es war eine Kiste voller Geräusche, die nur darauf wartete, ausgepackt und gehört zu werden.

Dies war nun auch das nächste Schreibspiel: jeder musste eine Geschichte seiner Wahl schreiben. Die Geräusche aus der Kiste mussten in die Geschichten mit einfließen. Dazu ging jeder einmal vor die Gruppe, zog einen Zettel und durfte das Geräusch vormachen. Dabei durfte er sich auch mit Gesten helfen, falls das Geräusch zu schwer war.

Jeder musste das gehörte und dargestellte Geräusch selbst interpretieren und in die Geschichte mit einarbeiten.

Dabei lernte die Gruppe, dass es schwierig ist, Geräusche vorzuführen, zu beschreiben und spontan in die Texte mit einzuarbeiten, doch sie meisterten die Aufgabe und heraus kamen viele lustige Texte.

24. Januar 2007

Diese Stunde wurde gemein – ich gebe es zu. Aber sie forderte die Mädchen auch heraus.
Das Vorbild war eine Klassenarbeit aus der achten Klasse, die ich geschrieben habe. Damals hatten wir für ein halbes Jahr das Thema „Kreatives Schreiben“ im Unterricht behandelt. In der Klassenarbeit bekamen wir ein Bild von Salvadore Dali und sollten es beschreiben, sagen, wie es zu der Situation kam und natürlich auch eine Hauptfigur finden, die das ganze erlebt. Die Aufgabe hat mir damals sehr gut gefallen und so war ich in den Ferien in die Bücherei gegangen und hab mir den größten Bildband von Dali ausgeliehen, den ich finden konnte. Als Surrealisten fand ich ihn passender als beispielsweise den Kubisten Picasso oder den Expressionisten Vincent van Gogh.

Traumwelten sprechen Jugendliche mehr an als zersplitterte Formen, Perspektiven oder Ausdrucksfarben.

Ich suchte mir mehrere Bilder aus und kennzeichnete sie.

Der Seh-Sinn sollte nun bearbeitet werden.

In der Stunde erklärte ich ihnen die Aufgabenstellung (die gleiche, wie in der Klausur) und zeigte ihnen das Bild. Da die Bilder von Dali oft überfüllt und schwer zu erfassen sind, ließ ich mir die Bilder beschreiben. Jeder durfte sagen, was darauf ist oder ergänzen. Den Rest der Stunde ließ ich sie dann schreiben, ging herum und zeigte das Bild.

Sie waren zwar nicht darauf gefasst, aber irgendwann ließ ich sie die Stifte aus der Hand legen und schaute sie amüsiert an. Verwirrend wurde gefragt, ob man den Satz oder die Geschichte noch beenden kann.



Beenden ja, sagt ich, blätterte im Buch herum, bis ich das nächste Bild fand und sagte, dass die Geschichte mit diesem Bild fortfahren wird. Wieder ließ ich mir das Bild beschreiben und wieder entdeckte man viele Kleinigkeiten erst beim zweiten, dritten oder vierten Blick.
Es war eine Herausforderung, die die Gruppe (ohne, das sie es wusste!) noch drei- oder viermal erfüllen musste, bevor ich beim letzten Bild aber klar und deutlich sagte, dass die Geschichte mit diesem abgeschlossen werden musste.

Verschiedene Traumreisen, Expeditionen und Dimensionssprünge kamen dabei heraus, spannend zu lesen und oft auch so anspruchsvoll, wie die Bilder von Dali.

Zwölfte Stunde - 17. Januar 2007

Die erste Stunde nach den langen Ferien war auch gleichsam die erste Stunde des neuen Themenblocks „Sinne“. Die wollte ich schreiberisch und kreativ mit meinen Mädels und Jungs erforschen. In der ersten Stunde mit einem noch vertrauten Gebiet.
Mit dem Hörbuch „Wilde Reise durch die Nacht“ von Walter Moers wollte ich sie für das Thema begeistern – und zum ersten Mal den Hörsinn ansprechen.

Ich wählte eine etwas längere Textstelle aus. Gustave, die Hauptperson, ritt mit seinem Pferd Pancho zum schrecklichsten aller Ungeheuer, um dessen Zahn zu holen. Dies ist eine der vielen Aufgaben, die der Tod ihm aufgegeben hat, um seine Seele zu retten und die Gustave lösen muss. Der Auszug beschrieb einen See mit allerlei Ungeheuern. Ein riesiges Krokodil trat dabei hervor und behauptete, dass schrecklichste aller Ungeheuer zu sein, weil es nicht aus Hass oder Hunger tötet, sondern aus Liebe.



Paradox, doch sowohl Gustave, als auch Pancho fallen auf diese List herein, spätestens, als das Krokodil sie so in ein Gespräch verwickelt und mit seine Opfer mit seiner hypnotischen Stimme betören kann (wieder der Hörsinn).

Im letzten Moment gelingt es Gustave, sich zu retten und das Krokodil offenbart, dass es nicht das schrecklichste aller Ungeheuer ist. Ich stoppe, als das wahre Monster kommt und überlasse es jeden für sich zu entscheiden, wie das Monstrum aussieht und ob Gustave an den Zahn kommt.

Gemein, aber die Ergebnisse waren vielfältig und überraschend.
Genauso überraschend fand die Gruppe es, dass Moers Monster ein gigantisches, fliegendes Schwein mit Zahnproblemen ist.
Von dem Hörbuch waren sie aber wieder sehr begeistert.

Elfte Stunde - 20. Dezember 2006

In dieser Stunde war ein neuer Besucher bei uns anwesend. Der Junge wurde von einer meiner ehemaligen Deutschlehrerinnen an mich weiterempfohlen und ich freute mich sehr, nun nicht nur Mädchen in meiner Gruppe zu haben.
Zur Einstimmung nahmen wir uns heute folgende Schreibaufgabe vor:


Mini-Münchhausen

Kurzprosa
Dauer: 45 Minuten

Beschreibung des Spiels
Redewendungen, zum Beispiel „schneidende Kälte“ oder „es regnet Bindfäden“, werden wörtlich genommen und daraus eine Lügengeschichte à la Münchhausen gefolgert:
Einer beginnt die Geschichte zu einer ausgewählten Redewendung und reicht den Zettel nach zwei Sätzen seinem Nachbarn zum Weiterschreiben. Dabei gelten folgende Regeln:
- jede Geschichte sollte auf 12 Sätze (=Gruppen von je sechs Mitspielern) beschränkt sein.
- Erzählt wird in der Ich-Form
- Wichtig sind die plots (knifflige Situationen, die der Nachbar dann lösen und für den nächsten Mitspieler neu schaffen muss).

Kommentar
Beispiele für Redewendungen werden in „Metamorphosen“ gegeben. Der Reiz der Münchhausiade liegt nicht nur darin, Sprache wörtlich zu nehmen und sich damit bewusster zu machen, sondern auch darin, Metaphern und Vergleich fabulierend so weiterzuentwickeln und so maßlos zu übertreiben, dass „realistische“ Lösungen für die Mitspieler schwierig werden.



Ich änderte die Vorlage aus der Musenkussmischmaschine ein wenig.
Zuerst fing ich damit an, dass jeder sich ein paar Sprichwörter in den Sinn rufen musste. Nach einer Bedenkzeit sammelten wir sie an der Tafel. Dazu ließ ich zwei der Schülerinnen an die Tafel kommen, damit wir die Vorschläge schriftlich für alle festhalten konnten.

„Lügen haben kurze Beine“

„Morgenstund hat Gold im Mund“

„Steter Tropfen höhlt den Stein“

Bald hatten wir die ganze Tafel voll. Danach sagte ich, dass jeder sich eins auswählen solle, um daraus dann eine Lügengeschichte zu entwickeln oder einfach nur aufzuschreiben, in welcher Situation dieses Sprichwort entstanden ist.

Am besten gefiel mir die Idee von Lisa, die „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ gewählt hatte.
In ihrer Geschichte beschrieb sie ein Mädchen in einem Märchenschloss. Das Mädchen hatte einen ganz außergewöhnlichen Namen. Eines Tages wurde das Schloss von fremden Raubrittern überfallen, die das Gold rauben und alle ermorden wollten. Schließlich fand ein Ritter das Mädchen und schleifte sie vor den Anführer. Sie musste ihren Namen nennen und der Raubritter stutzte, da ihr Name in seiner Sprache „Hoffnung“ bedeutete. Grimmig sagte er dann zu ihr: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Ich fand es richtig gut, dass die Hoffnung von ihr personifiziert und in eine für uns fremde Zeit zurückversetzt wurde.

Zum Schluss nahmen wir die Rolle von strengen Jury-Mitgliedern auf und beurteilten die eingesandten Texte von unserem Schreibwettbewerb.

Wir hatten ein Gedicht aus der fünften Klasse und zwei Kurzgeschichten aus der achten Klasse. Wir beschlossen, dass die 5.-Klässlerin einen Sonderpreis bekommen würde.

Danach bewerteten wir die beiden Kurzgeschichten und legten den ersten und den zweiten Platz fest. Alle drei bekamen mit ihren Zeugnissen einen Monat später Urkunden und einen Buchgutschein.

Zehnte Stunde - 13. Dezember 2006

-Diese Stunde fehlt-

Neunte Stunde - 06. Dezember 2006

-Diese Stunde fehlt-

12 März 2007

Der Weihnachtsbasar - 02. Dezember 2006

Unseren Stand durften wir im Erdgeschoss im Gang links im Neubau aufstellen. Das war uns allen Recht, da wir viel Platz für unsere Collagen brauchten.

Gleich am Anfang mussten wir uns auf die Jagd nach Tischen machen. In den Räumen um uns herum waren schon alle verbaut. Zu Hilfe kam uns ein Lehrer (Dankeschön, Herr B. :) ), der uns einen Klassensaal aufschloss und uns Tische und Stühle mopsen ließ. Diese stellten wir im Gang auf, warfen unsere riesige, rote Tischdecke drüber, drapierten alles mit Servietten, Tannenzweigen und Weihnachtsschmuck und legten die ersten Teller mit Plätzchen aus.
Am Abend zuvor haben Alex, Mara, Viviane und ich uns an Nussecken und Butterplätzchen (mit bunten Buchstabenstreuseln) herangewagt. Zusätzlich hatte ich den ganzen Abend mit dem hochkomplizierten Backen von Glückkeksen verbracht, die ich zusätzlich dazusteuerte. Für die Plätzchen verlangten wir nichts außer einer kleinen Spende für unser hungriges, rotes Sparschwein. Mit dem Geld wollten wir die Preise unseres Schreibwettbewerbes finanzieren.

Wir hängten die Collagen aus. Die Gruppencluster hingen wir hinter uns auf, die Legenden und Gedichte auf der gegenüberliegenden Fensterfront. Zusätzlich hatte ich kleine Erklärung zu unseren Ausstellungsstücken aus der Musenkussmischmaschine ausgedruckt. Außerdem lagen Flyer als Werbung für unseren Schreibwettbewerb aus.

Die Resonanz war groß. Fast drei Stunden lang schnappte ich mir ahnungslose Eltern und klärte sie ausführlich über unsere Ausstellungsstücke auf. Besonders von dem Gruppencluster zeigten sie sich begeistert und auch bei den Schülern kamen sie gut an. Viele blieben stehen und lasen sich eine Ecke durch und staunten über die vielen (unerwarteten) Assoziationsketten.
Die Gedichte und Legenden luden wiederum zum Verweilen und Lesen ein. Im Gang staute es sich ziemlich oft bei uns.



Besonders begeistert zeigten sich die Eltern, die in der Jury des Weihnachtsbasars waren. Die Jury kürte den besten Stand aus. Da sie (mit Stift und Zetteln bewaffnet) mir gleich verdächtig vorkamen, schnappte ich sie mir für ein ausführliches Gespräch. Vielleicht würden wir ja gewinnen?

Nach drei Stunden war der Basar aus. All unsere Weihnachtskekse waren verschwunden und unsere Kasse hatte sich mit fast fünfzig Euro gefüllt. Stolz packten wir zusammen, denn ein Reinfall war unser Stand auf keinen Fall geworden.

Achte Stunde - 29. November 2006

In der nächsten Stunde waren alle anwesend und letzte Formalitäten konnten geklärt werden. Ein Termin zum Plätzchenbacken wurde festgelegt. Ein Auf- und Abbauteam wurde bestimmt. Wer würde was mitbringen? Wann würden wir uns treffen? Wer würde Werbung verteilen? Was wollten wir mit den Spenden machen?



Danach kamen wir zu dritten Aufgabe: meine Mädels sollten eine Legende, Sage, Gruselgeschichte zur Max-Planck-Schule erfinden. Geschrieben werden sollte in der automatischen Schreibweise: schreiben, ohne aufzuhören oder den Stift abzusetzen. Wenn jemandem zwischendrin nichts mehr einfiel, verschnörkelte er die Zeilen, bis der Schreibfluss von neuem einsetzte.

Wir lasen uns die Ergebnisse gegenseitig vor und sammelten sie ein. Auch sie wollten wir auf eine Collage kleben.

Zum Schluss widmeten wir uns unserem längsten Gruppencluster. Mehr als zwei Meter lang war die Tapetenbahn. Aus der letzten Stunde hatte ich gelernt:
Ich schrieb unter teils lautem Protest einige Benimm-Regeln an die Tafel (Assoziationen dürfen nicht gegen das Grundgesetz, das Jugendschutzgesetz verstoßen, keine Schülernamen, Lehrernamen, sexuelle Anspielungen, Beleidigungen, verbotene Symbole, …). Von den meisten erhielt ich Zustimmung, doch ich war auf der Hut. Kritische Sachen und Ideen mussten laut vorgelesen werden und die Gruppe stimmte ab, ob sie drauf durften oder nicht.

Letztendlich wurde die Collage ein großer Erfolg und sah sehr beeindruckend aus. Beim Schreiben ließ ich meine Mädels immer im Kreis rotieren, sodass jeder Mal in jede Ecke schauen und neue Idee und Gedanken ergänzen konnte.

Für den Freitag verabredeten wir uns abends zum Backen und wir warteten alle sehr gespannt auf den Samstag.

Siebte Stunde - 22. November 2006

Für den Weihnachtsbasar benötigten wir noch etwas Spektakuläres. Meine Idee war folgendes:


Cluster II: Gruppenclustern

Assoziatives Schreiben
Dauer: 45 Minuten
Material: Wandzeitungspapier

Beschreibung des Spiels
Eine Rolle Wandzeitungspapier wird auf Tischen ausgebreitet und ein Kernwort zwei- bis dreimal darauf verteilt. Nun beteiligen sich alle gleichzeitig am „Clustern“, dass heißt, sie bilden ihre Assoziationsketten zu dem Kernwort und verknüpfen diese mit denen anderer bzw. knüpfen an andere Ideen an. Auch Kurzsätze sind möglich. Wenn kein Platz und/oder keine Lust mehr vorhanden ist, auswerten und eventuell einzelne Texte erstellen, indem sich jeder Elemente und Assoziationsketten aussucht und an ihnen entlangschreibt.

Kommentar
Das Konzept des Gruppenclusterings als einer Art kollektiven „brain-stormings“ eignet sich auch gut für die Bearbeitung gruppendynamischer Probleme/Störungen.


Mara hatte an die Tapeten gedacht und da wir in dieser Stunde nur zu viert waren, nutze ich diese als Übungsstunde aus. Auf einer Bahn von rund eineinhalb Metern Länge begannen wir mit dem Wort „Weihnachten“ und fingen an, unsere Assoziationen aufzuschreiben.
Schnell bemerkte ich, dass einiges auf die Collage kam, was dort nichts zu suchen hatte. Kommentare zu Mitschülern und Lehrern zensierte ich daher im Nachhinein großzügig.
Ansonsten klappte das Experiment im Schulflur auf dem Boden liegend sehr gut und wir waren mehr als eine Stunde lang beschäftigt.
Zum Schluss klärten ein paar Formalitäten. Es wurde vorgeschlagen, gemeinsam Plätzchen für den Basar zu backen. Ich war gespannt, ob es klappen würde.

Sechste Stunde - 15. November 2006

In der nächsten Stunde nach den Herbstferien stellte ich den Mädchen meine Überlegungen zum Weihnachtsbasar vor. Das erste Thema wollte ich auch sogleich angehen.
Als großer Block sollte die „Lyrik“ behandelt werden und da Gedichte schnell abschreckend wirken, hatte ich eine lustige Power-Point-Präsentation vorbereitet. Die Basis dafür war eine Lyrikvorlesung an meiner Uni gewesen, bei der ich mich selbst herrlich amüsiert und eifrig mitgeschrieben habe.
Alles baute auf die Frage auf, was Lyrik überhaupt ist und dazu stellte ich den Mädels einige Beispiele dar.


- mein liebstes Glas
warf ich kaputt
- kein Wort von dir
- nur Rechnungen in der Post
- das Auto durch den TÜV gefallen
- mein Hund zerbrach
den langgehegten
Blumenstock

- kein Wort von dir
- kein Wort von dir
- kein Wort von dir

Heute ist wieder so ein
Tag
an dem nur die
Hoffnung beliebt.


Kristina Allert-Wybranietz


Das erste Gedicht fand nicht nur mein Professor furchtbar, sondern auch meine Mädels. Übertroffen konnte dies nur durch das folgende Gedicht werden:


Ein Reh
Springt munter
zwischen Bäumen umher
Das ist seine Welt
Sie ist ihm vertraut
und bietet ihm Schutz

Ein Kind springt fröhlich
auf den Straßen umher

Tatütata –
Tatütata –


Es sorgte für viel Gelächter und erstaunte Gesichter, ob so was wirklich Lyrik sei. Ein Beispiel für schlechte Metrik war das nächste Gedicht:


Poesie ist Leben,
Prosa ist der Tod,
Engelein umschweben
Unser täglich Brod.



Das nächste Beispiel wiederum verwirrte meine Mädels etwas:

                                                              
                                                                Hier liegt
                                                                der springende Punkt.



Als nächstes kramte ich ein englisches Gedicht hervor, was meine Mädchen furchtbar banal fanden:

This is Just to Say

I have eaten
the plums
that were in
the icebox
and which
you were probably
saving
for breakfast
Forgive me
they were delicious
so sweet
and so cold.


Nach dem nächsten „Gedicht“ dachten meine Mädels, es könnte nicht konfuser werden:



Und doch konnte es übertroffen werden durch folgendes:





Nach diesem Schock ließ ich sie mit diesem Gedicht zu Luft kommen:


                                                                 Dasschwarzegeheimnis
                                                                 ist hier                hier ist
                                                                 dasschwarzegeheimnis


Gelöst haben wir es nicht, sodass wir uns dem krönenden und bekannten Abschluss zuwanden:



Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs

Sonette find ich so was von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
dass wer Sonette schreibt. Dass wer den Mut

hat,heute noch son‘n dumpfen Scheiß zu bauen;
Allein der Fakt, dass so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut

Darüber, dass so‘n abgefuckter Kacker
Mich mittels seiner Wichsereien blockiert,
schafft in mir Agressionen auf den Macker.

Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und will‘s echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.


Nach diesem Schock ließ ich sie erst einmal diskutieren und leitete dann zu meinem Anliegen über. Zum Weihnachtsbasar wollte ich sie Elfchen, Haikus und Rengas schreiben lassen – natürlich alle mit dem Thema „Weihnachten“. Die Gedichte sammelten wir dann, um eine Collage zu machen. Die Reihenfolge wählte ich bewusst so aus, da die verschiedenen Formen immer schwieriger werden:


Elfchen

Lyrische Kurzform
Dauer: 30 Minuten

Beschreibung des Spiels
„Elfchen“ sind kurze Texte aus fünf Zeilen. Die Zeilen bestehen jeweils aus: einem Wort, zwei Wörtern, drei Wörtern, vier Wörtern und wieder einem Wort. Zusammen sind das elf Wörter des Elfchens.

Beispiel für ein Farb-Elfchen:
1. Zeile: ein Wort: eine Farbe violett
2. Zeile: zwei Wörter: etwas, das diese Farbe hat ein Schal
3. Zeile: drei Wörter: wo/wie es ist viereckig und durchscheinend
4. Zeile: vier Wörter: noch etwas mehr erzählen eine Frau verschleiert sich
5. Zeile: ein Wort: ein abschließendes Wort Rückzug

Farb-Elfchen sind nur ein Beispiel, diese Texte können inhaltlich von allem möglichen handeln. Weitere Möglichkeiten sind: Namen-Elfchen, Tier-Elfchen, Gefühl-Elfchen – mit entsprechenden veränderten Zeilenanweisung wie „1. Zeile: der Name eines/r Bekannten, 2. Zeile: wer ist das, 3. Zeile: Ort“ und so weiter und so fort.

Kommentar
Wie andere Schreibspiele mit stark eingegrenztem Sprachmittel (Haiku, Renga, Schneeball) zwingt auch das Elfchen durch seine kurze Form, sich mit wenigen Worten genau auszudrücken.


Haiku

Lyrische Kurzform
Dauer: 45 Minuten

Beschreibung des Spiels
Die Form eines Haikus, eines Dreizeilers mit
5 Silben in der 1. Zeile
7 Silben in der 2. Zeile
5 Silben in der 3. Zeile
liefert das Muster für Haiku-Neuschöpfungen. Diese sollten inhaltlich
- sich auf etwas Gegenständliches aus der Natur beziehen
- dieses in ein konkretes Geschehen einbetten
- das wiederum in einer überraschenden Wende von der 2. Zeile zur 3. Zeile eine Verallgemeinerung erfahren soll.
Ein Beispiel für ein traditionelles Jahreszeiten-Haiku:

Schau, die Nachtigall!
An der Pflaumenblüte wischt
Sie die Füßchen ab!

(Japanisches Jahreszeiten. Tanka und Haiku aus dreizehn Jahrhunderten, aus dem Japanischen übertragen von Gerolf Coudenhove. Manesse Verlag, Zürich 1963, S. 63)

Kommentar
Die Kurzform zwingt zu genauer Beobachtung und präziser Wortwahl. Schreibanfänger können von den inhaltlichen Festlegungen entbunden werden, sodass sie lediglich ein Gedicht mit 17 Silben verfassen müssen. Auch inhaltlich bieten sich viele Varianten. So eignet sich das traditionell der Natur-Thematik verhaftete japanische Haiku hervorragend zur Ökologie-Lyrik. Auch eine Änderung der Thematik ist möglich, zum Beispiel: ein Zitat/Titel aus der Literaturgeschichte wird gewählt (Literatur-Haiku) oder menschliche Verhältnisse werden in humoristisch-satirischer Form thematisiert (=Senryu).


Renga

Lyrisches Kettengedicht
Dauer: 45 Minuten

Beschreibung des Spiels
Reihum wird ein japanisches Kettengedicht, ein Renga verfasst. Es hat eine dem Haiku verwandte Form, nämlich:

1. Strophe: 7 Silben/ 7 Silben
2. Strophe: 5 Silben/ 7 Silben/ 5 Silben
3. Strophe: 7 Silben/ 7 Silben

Diese Struktur notiert sich jeder auf ein Blatt, schreibt dann die erste Zeile und reicht das Blatt weiter, bis die Kettengedichte fertig sind. Die inhaltliche Verknüpfung sollte dabei lediglich durch ein für alle verbindliches Motiv (zum Beispiel „Frühling“) hergestellt werden.

Variationen
Der erste Schreiber verfasst die 1. Strophe, der zweite als Antwort die 2. Strophe, der dritte zusammenfassend die dritte und so weiter.

Kommentar
Das Renga wurde im Japan des 14. Jahrhunderts als Gesellschaftsspiel betrieben, das darin bestand, in dichterischer Wechselrede zu der 2. Strophe eines Tank (Dreizeilers mit 5 7 5 Silben) eine neue 1. Strophe (Zweizeiler mit jeweils 7 Silben) zu dichten, zu dieser wieder eine 2. Strophe und so weiter.



31 Januar 2007

Fünfte Stunde - 25. Oktober 2006

Zu Anfang eine kleine Vorgeschichte:

Ich bin in einem Büchertauschforum aktiv und dass nun seit mehr als zwei Jahren. Eine kleine Gruppe der Mitglieder hatte die Aktion "Selbstgeschriebenes" ins Leben gerufen. Jeder konnte sich in eine Liste eintragen und bekam dann irgendwann per Post einen Ordner zugeschickt, der die Reihe nach durchging. In dieser Woche erreichte der Ordner mich. Die Mitglieder des Portals hatten eigene, kleine Geschichte, Gedichte und Gedanken beigelegt und jeder, der wollte, durfte etwas dazulegen, lesen, kommentieren. Es war inzwischen eine sehr bunte Sammlung von mehr als fünfzig verschiedenen Sachen und die Idee begeisterte mich.

Zu Anfang der Schreibwerkstattstunde gab es einiges zu besprechen.

1. Ich fragte meine Mädchen, ob sie Lust hätten, ebenfalls so ein Buch zu führen. Ich würde einen Ordner kaufen und jeder aus der Gruppe würde ihn einmal mit nach Hause nehmen können, um dann zu lesen, was die anderen so alles schreiben. Die Mädchen waren begeistert.
2. Bei der zweiten Sache kamen die Mädchen auf mich zu. Anfang Dezember sollte der Weihnachtsbasar der Schule stattfinden und sie wollten die Schreib-AG unbedingt mit einem Stand vertreten. Da es gute Werbung wäre, versprach ich, dass ich mir etwas für unseren Stand ausdenken würde.
3. Die dritte Sache war ein Problem. Ich wollte meine Mädels auf das Gebiet von Schreibwettbewerben hinführen, da ich meinerseits einen Mentor hatte, der mir in jungen Jahren geholfen und Tipps gegeben hat. Nach einigen Recherchearbeiten brachte ich eine kleine Auswahl an möglichen Wettbewerben. Die Auswahl fand ich sehr enttäuschend und schwach. Viele Wettbewerbe musste ich von vornherein aussortieren (falsches Alter, Absendeschluss zu schnell, Gewinner mussten zum Ort fahren, der zu weit weg war und viele verlangten (!) für die Teilnahme Geld). Die mickrige Auswahl von fünf schwachen Themen enttäuschte nicht nur mich, da ich gehofft hatte, dass besonders vor der Weihnachtszeit einige kreative Ideen und Wettbewerbe auftauchen würden. Daher sprachen wir über die Möglichkeit, selbst einen Schreibwettbewerb zu initiieren. Da alle in der Jury sein wollten, einigten wir uns schnell darauf, dass wir durch diese Aktion "hinter die Kulissen" schauen könnten.
Und der Weihnachtsbasar war eine prima Gelegenheit, Werbung zu machen.

Nach den Besprechungen kamen wir zum heutigen Schreibspiel. Dazu erklärte ich den Mädchen, was ein Cluster ist:


Cluster I

Assoziatives Schreiben
Dauer: 45 Minuten

Beschreibung des Spiels
Ein Kernwort wird auf die Mitte eines Blattes geschrieben. Dann schreibt jeder um sein Wort die Assoziationen, die ihm dazu einfallen. Zusammenhängende Assoziationsketten werden mit Strichen und Pfeilen verbunden. Sobald der Eindruck entsteht, man könne den ersten Satz schreiben: Pause machen, entspannen und eine neue Kette vom Kernwort aus beginnen. Wenn die Ketten abgesättigt sind, von irgendeinem Element zum ersten Satz anregen lassen und von Element zu Element weiterschreiben. Nicht mehr als eine Seite schreiben. Am Ende, wenn das Cluster ausgeschlachtet ist, zum Ausgangssatz zurückkehren und den Text mit der Wiederaufnahme des Eingangsgedankens abrunden.

Kommentar
Das Clustern ist eine von der amerikanischen Kreativitätspsychologie entwickelte Basistechnik, um Assoziationen freizusetzen, sichtbar zu machen und zu ordnen. Es eignet sich für viele Schreibspiele als Einstiegsübung und lässt sich auch gut gegen Schreibblockaden einsetzen.



Ich wollte mich besonders auf die Assoziationsketten konzentrieren. Nachdem ich meinen Mädels das Cluster erklärt habe, suchten wir uns alle gemeinsam ein Wort aus. Die Entscheidung fiel zwischen dem Lieblingsthema meiner Schützlinge („Mord!“) und einem eher scherzhaften Vorschlag („Kaffeemaschine!“). Das Rennen machte die Kaffeemaschine.



Jeder sollte das Hauptwort auf sein Blatt schreiben und ganz viele Assoziationen drum herum clustern. Aus all diesen Assoziationen mussten sie sich eins aussuchen, von dem sie weitergingen und um das sich nun die neuen Assoziationen scharrten. So entstand meine gewollte Assoziationskette, aus denen sie letztendlich (nach einer Zeitvorgabe) eine Geschichte machen mussten.

Hier die Auszüge aus ihren Assoziationsketten:

Kaffeemaschine – heiß – Feuer – Brandstiftung – verbrennen – Holz – Baum – Affe – klettern

Kaffeemaschine – Bohnen – Pflanze – Erde – dunkel – Nacht – Mond – Wald

Kaffeemaschine – Cappuccino – Café – Leute treffen – Kontaktanzeige – Fehler – Missverständnis – Problem – Hilfe – Retter – schwimmen – Sonne – heiß – kalt – Fischstäbchen – Essen – Fast Food – KFC – Hühnchen – Bauernhof – „Bauer sucht Frau“ – Blödsinn – Quatsch – lachen – weinen – Tränen – Trauer

Kaffeemaschine – Frühstück – Aufbruch – Entschluss – neue Ziele – survival – fremde Länder kennen lernen – Fantasy – Drachen – Feuer – grillen – Schweinebauch – lecker

Kaffeemaschine – Stromrechnung – Obdachlosigkeit – Hungerstod – Leiche – Sarg – Holz – Bäume – Wald – Rodung – Steinzeitmensch – Frau Hock – Haarreifen – kaputt gehen – neu kaufen – Media Markt – teuer – Gemälde – Rembrandt – Tod – Ende des Lebens

Kaffeemaschine – Wasser – Meer – Insel – Landschaften – Wald – verzaubert – magische Wesen – Werwolf – Nacht – Finsternis – hilflos – Rettung – Held

Kaffeemaschine – Wasser – Nixen – Fabelwesen – Einhörner – Vollmond – Liebe – Kamin – Schnee – Schal – Hals – Hand – Gips – Arzt – Windpocken



Ich habe ihnen extra nur ein Wort gegeben, um später zu verdeutlichen, wie viele verschiedene Ideen aus einer Assoziationskette entstehen können und wie unterschiedlich dann die Umsetzung in eine Geschichte ist, was letztendlich auch geklappt hat.

Wir haben mal wieder maßlos überzogen ;-)

Vierte Stunde - 18. Oktober 2006

Am Anfang der nächsten Stunde wurden Geschenke verteilt. Ich war nach einem anstrengenden Wochenende zwar müde, aber mit meiner Ausbeute durchaus zufrieden:

Nach fünf Tagen Buchmesse und vielen überraschenden Abenteuern hatte ich auch an meinem einzigen freien Nachmittag am Wochenende mein "Fünf-Tages-Händler-Ticket" ausgenutzt und bin mit meinem Freund hingefahren. Ich war noch auf der Suche nach Mitbringseln für meine fleißigen Schreibwerkstattschülerinnen und hatte verschiedene Sachen zusammengesammelt. Darunter befanden sich viele Sachen von den Comicständen (Mangaschnürsenkel, Buttons, Comics), unzählige Leseproben, Kugelschreiber, Lesezeichen, Postkarten, ...

Gleich zu Anfang der Stunde verteilte ich die Sachen (darunter auch Gummibärchen vom Dummie-Verlag) und zu meiner Freude fand jeder etwas brauchbares in seiner Verlagstüte mit der gelben Gummiente.

Besonders eine besondere Kleinigkeit wollte ich gleich ausprobieren. Es war ein Rätselspiel, dass ich bei einem Stand für jeden ergattern konnte. "Black Stories" heißt das Spiel und ist schnell erklärt: auf vorgefertigten Kärtchen wird eine absurde Situation erklärt und die Rätselratende sollen herausfinden, wie es zu dieser Situation kam. Sie dürfen Fragen an der Spielleiter stellen, der die Lösung weiß, aber er darf die Fragen nur mit "Ja" oder "Nein" beantworten.


Hier nun einige Beispiele:

Weil ein Mann kaute, wurde eine ältere Dame bestraft. Wie kam es zu dieser Situation?*

Ein Mann packte einen abgetrennten Arm in ein Paket und verschickte es. Das Paket kam bei drei einarmigen Männern an, welche den Inhalt zufrieden ins Meer warfen. Wie kam es zu dieser Situation?**

Ein Mädchen bestellte sich in einem Spezialitätenrestaurant ein Leguan-Steak. Nach dem ersten Bissen stand sie auf und warf sich vor einen vorbeifahrenden LKW. Wie kam es dazu?***


Die Lösungen verrate ich dann am Ende dieses Eintrags. Die Geschichten und Motive sind kompliziert, abwegig, voller schwarzem Humor, aber logisch. Ich hatte die Rätsel schon mal älteren Erwachsenen erzählt und viele haben viel länger für die Lösung gebraucht als meine Mädels. Vielleicht sind meine ja kreativer?!

Aber nun zur heutigen Stunde. Im Vorfeld habe ich von meiner Lieblingsfotoseite verschiedene Portraitfotos von Frauen und Männern ausgesucht, die sie in verschiedenen Aktivitäten zeigten. Ich bemühte mich dabei, möglichst verschiedene Motive zu wählen. Die Fotos speicherte ich dann ab, ließ sie entwickeln und nahm sie für die Stunde mit. Die Idee für das heutige Schreibspiel hatte ich aus meinem momentanen Lieblingsbuch, der Musenkussmischmaschine:


Beziehungsspiel

Schreibspiel
Dauer: 120 Minuten
Material: Mappe mit Porträtfotografien

Beschreibung des Spiels
Jeder Teilnehmer wählt sich aus vorgelegten Personenfotografien eine aus und versetzt sich für das folgende Schreibspiel in die fotografierte Person. Dann erstellt jeder zur ausgewählten Person eine Beschreibung in der Ich-Form (circa 10 Minuten). Die Beschreibungen werden vorgelesen.
Ein Ort (Vorschläge gemeinsam sammeln) wird ausgelost, an dem sich alle diese Personen treffen sollen. Jeder beschreibt nun, wie und warum er an diesen Ort geht (ca. 20 Minuten). Wieder werden die geschriebenen Texte vorgelesen.
Anschließend wird ausgelost, was dort zwischen den einzelnen Personen geschieht (verlieben, erschießen, hintergehen, verraten, …). Die jeweiligen Personen schildern nun das Geschehene aus ihrer Perspektive.

Kommentar
Spiel mit Perspektivenwechsel: im 1. Schritt wird ein fiktives Ich erfunden, in das auch Anteile der eigenen Personen eingebaut werden können. Die Handlungsanweisungen des 3. Schrittes zwingen dann zu Korrekturen an der vorherigen Personenbeschreibung.



Es lag ganz schön viel Arbeit vor uns. Ich ließ zuerst jeden zwei Fotos aussuchen. Danach ließ ich sie ein kleines Profil erstellen, in der die Person charakterisiert, beschrieben und etwas aus ihrem Leben erzählt wurde. Ich ließ alles vorlesen und schrieb dabei einen kurzen Überblick an die Tafel. Danach teilte ich meine Mädels in Zweiergruppen auf und jedes Team sollte sich eine Konfliktsituation ausdenken, die zu den Charakteren passte. Jeder sollte dann in der "Ich-Perspektive" erzählen, wie er/sie sich nach/während des Konflikts fühlt.

Eines der Höhepunkte war das Treffen zwischen einem Geist und einer Frau. Dabei hat das Mädchen ein Foto ausgewählt, in dem mit einer Langzeitbelichtung gearbeitet wurde. Da das Modell sich bewegt hatte, erschien sie, auf einem Stuhl in einem leeren Raum sitzend, fast durchsichtig. Ausgerechnet diese Idee kam von einem neuen Mitglied, einem Mädchen aus der achten Klasse, die neu zu unserer Gruppe gestoßen ist.



Ich war über diese Idee begeistert und auch über die Emotionen, die alle Mädchen insgesamt in ihre Szenen hineininterpretieren konnten. Da wir eine zweite Runde zeitlich nicht mehr schafften (jeder sollte sich ja zwei Fotos aussuchen!), gab es unter den neu zusammen gewürfelten Gruppen eine erneute, kurze Absprache und jeder machte seinen Teil zu Hause fertig.



Dass sich die Gruppe untereinander noch besser kennenlernt war eins meiner Hauptmotive, weshalb ich gerade dieses Spiel wählte, denn selbst wenn sich die Mädels vom Schreibniveau her nur geringfügig unterscheiden, darf man den Altersunterschied dennoch nicht vernachlässigen. Ich achtete besonders darauf, dass die Gruppen bunt gemischt waren, sodass die 10.-Klässlerinnen auch mit den jüngeren arbeiteten und umgekehrt.



Und zum Schluss die versprochenen Lösungen:

*Der dunkelhäutige Mann nahm in der Straßenbahn gegenüber der älteren Dame Platz. Diese beschimpfte ihn während der ganzen Fahrt lautstark als stinkenden Ausländer. Der Mann blieb völlig ruhig. Kurz bevor ein Kontrolleur zu der älteren Dame kam, entriss der dunkelhäutige Mann ihren Fahrschein, steckte ihn in den Mund, kaute und verschluckte ihn. Da keiner der anderen Mitfahrer ihre absurde Geschichte bestätigten wollte, musste sie 60 Euro wegen Schwarzfahrens bezahlen.

**Vor langer Zeit trieben vier Männer gemeinsam in aussichtsloser Lage auf einem Baumstamm übers Meer. Ihr Schiff war gekentert. Da sie nichts zu essen hatten, vereinbarten sie, dass jeder einen Arm opfern müsse. Bevor der vierte an der Reihe war, wurden sie gerettet. Die drei erinnerten ihn an sein versprechen. Da er in großer Entfernung zu ihnen lebte, dachte er nicht daran, sein Versprechen zu halten, gab eine Anzeige auf und bot demjenigen, der ihm seinen Arm abtreten würde, eine Millionen Euro. Schon bald fand sich ein Freiwilliger.

***Das Mädchen hatte ein großes Schiffsunglück überlebt und war an eine Insel gespült worden. Schwer verletzt wurde sie von den anderen Überlebenden mit Wasser und Fleisch versorgt. Auf ihre Nachfragen, woher das ganze Fleisch komme, sagten ihr die anderen, dass sie zwei große Leguane erlegt hätten. Als die Schiffbrüchigen endlich gefunden wurden, war alle Qual vergessen. Bis zu dem Tag, an dem das Mädchen in besagtes Restaurant ging, um noch einmal (ihren „Lebensretter“) Leguan zu essen. Nach dem ersten Bissen wurde ihr klar, dass es kein Leguanfleisch war, das sie gegessen hatte, sondern das Fleisch der an Land gespülten Leichen.

18 Oktober 2006

Dritte Stunde - 04.Oktober 2006

Die dritte Stunde beschäftigten wir uns mit einem Schreibspiel aus der "Musenkussmischmaschine":


Ausschnitt

Schreibspiel
Dauer: 90 Minuten

Beschreibung des Spiels
Jeder Teilnehmer denkt sich eine Geschichte aus, in der etwas Ungewöhnliches gegeben ist (erzählende Person ist blind oder stumm; sie plant ein Verbrechen oder eine Überraschung; ist in ein Tier oder einen Gegenstand verwandelt worden; …). Zu den vorgestellten Rahmengeschichten schreibt er dann einen Textausschnitt von einer Seite, in der das Thema der Geschichte weder benannt noch erklärt werden darf. Der Text soll auf den Leser vielmehr wie eine ausgerissene Buchseite wirken (Zeit: 30 Minuten). Die Texte nacheinander vorlesen und die jeweilige Buchidee erraten lassen.

Kommentar
Alle Teilnehmer lernen bei diesem Ratespiel, dass es nicht nötig und vielleicht auch nicht gut ist, Informationen direkt mitzuteilen, dass es vielmehr eine literarische Qualität sein kann, wichtige Inhalte darzustellen, ohne sie zu benennen. Für Schreibanfänger ist dieses Spiel leichter einzuführen durch einen Ausschnitt aus einer Geschichte, den man erst einmal vorliest und diskutieren lässt. Danach finden sich dann schnell eigene Möglichkeiten.


Ich führte meine Schäfchen sachte an das Thema heran. Im Vorfeld war ich mir gar nicht sicher, ob sie mit dem Thema überhaupt etwas anfangen konnten. Ich selbst hab am Abend zuvor einige Möglichkeiten ausprobiert, aber leicht fiel es mir nicht.

Deshalb beschloss ich, dass wir am Anfang einige besondere, ungewöhnliche Charakterzüge, Fähigkeiten, Ereignisse sammeln und auf der Tafel in Clusterform anbringen würden.

Nach dem schlichten Sammeln erklärte ich meinen Mädels die Überleitung.
"Stellt euch vor, ihr schlagt ein Buch auf und fangt an zu lesen. Ihr wisst nicht, worum es geht,lest eine Seite und schlagt es wieder zu. Genauso sieht das Schreibspiel aus. Ihr fangt 
mitten im Geschehen an und beschreibt ein Ereignis, ohne es zu benennen."

Wider aller Erwartung hatten meine Mädels überhaupt keine Probleme mit der Aufgabenstellung und die Zeitvorgabe von 90 Minuten haben sie weit unterschritten ;)

Die Geschichten selbst waren sehr spannend und die anschließende Raterunde manchmal wirklich recht knifflig. Eine Frau, die Tote sehen kann, ein Mädchen, das mit den Gedanken töten kann, eine Schülerin, die bei der kleinsten Unachtsamkeit durch Boden und Wände fällt, ein Dialog zwischen Vampiren ...

Die Stunde hatte einen Höhepunkt nach dem anderen. Ausklingen ließ ich sie mit einem Erzählspiel. Ein Märchen sollte erzählt werden. Jede gab nach belieben an seinen Nachbarn weiter und bestimmte aber vorher, in welchem Stil das Märchen weitererzählt wird.
So kam es, dass mal in der "Bild-Zeitung"-Form erzählt wurde, dann war "Horror" das Genre, "Liebesgeschichte", "Science Fiction", "Sport", "Soap", "Zeitungsartikel", "Naturdokumentation", ...

Es handelte von einer einsamen Königin, die ihre Liebhaber vergiftete und ihre Organe sammelte. Der König, in den sie sich aber letztendlich verliebte, war ein komischer Kerl mit einer Geheimkammer und einem Monster darin. Das Monster entpuppte sich als Gollum, der König als schnaufender "Darth Vader" und als das ganze in der Perspektive einer Grille (Naturdoku) erzählt wurde, lagen meine Mädels spätestens dann auf dem Boden und kugelten sich vor lachen. Ab und an war es ziemlich knifflig, die verschiedenen Genre auch mit der Geschichte zu verbinden - inhaltlich und metaphorisch - aber gemeinsam klappte es schließlich ganz gut.

Ich darf wohl nicht vergessen zu erwähnen, dass wir wieder mal mindestens 15 Minuten überzogen haben ... ;)
 

17 Oktober 2006

Zweite Stunde - 27. September 2006

Meine Mädels wollten schreiben, also ging es so auch weiter.
Keine Süßigkeiten lagen mehr auf dem Tisch, dafür aber mein Cd-Player.
Ich begrüßte alle mit der Frage, ob jemand Walter Moers kenne. Meine Mädels tippten auf 
einen Schriftsteller. Der Name kam ihnen bekannt vor. Danach versuchte ich es wieder. 
"Kennt jemand von euch Gustave Doré?" Außer meiner Schwester meldete sich niemand, 
was mich aber nicht verwunderte. SIE kannte das Buch nämlich schon, auf das ich hinauswollte. 
"Wilde Reise durch die Nacht" lag als Hörbuch-CD von der Bücherei in meinem Cd-Player und von da an war die Aufgabe klar. Ich spielte ihnen den Anfang vor und sie mussten die Geschichte weiterschreiben. Aber nun einiges zum Buch:



"Walter Moers macht immer alles anders. Und so ist er auch diesmal den umgekehrten Weg gegangen und hat Dorés Kupferstiche zu einem neuen erzählerischen Kabinettstück versammelt. Dabei schickt er den 12-jährigen Gustave in seine eigenen (Alb-)Traumbilder und lässt ihn nach klassischer Märchenmanier (sechs gelöste Aufgaben = Todesaufschub) auf dem Pferd Pancho Sansa im "Reich der Ungeheuer" allerlei Abenteuer mit Fabelwesen, Rittern und Jungfrauen bestehen. Hier hat Gustave gegen treulose Kumpanen und die erste (kurze) Liebe gleichermaßen anzukämpfen. Dazwischen bringen diverse Diener des Todes unseren Helden in immer neue Gefahren: "Wenn er aus den Fluten auftauchte, hatte Gustave die Wahl, gefressen, von Krallen zerfetzt, bei lebendigem Leibe verbrannt oder gekocht zu werden". Er hat also keine Chance -- und die nutzt er gut." (Aus: Amazon Produktbeschreibung)

Der Anfang der Geschichte eignete sich besonders gut. Gustave Doré war Käptn auf der Aventure und er und seine Crew waren mitten in einem schlimmen Sturm, der schlimmer nicht sein konnte. Siamesische Zwillingstornados kamen auf das Schiff zu ...
Das Hörbuch wird von Dirk Bach gelesen und zog meine Mädels gleich sehr in den Bann. Nachdem ich stoppte, zeigte ich das Buch mit der dazu gehörenden Illustration: ein Schiff mitten in einem Sturm, im Hintergrund waren die Zwillingstornados zu sehen.



Und von da an ließ ich sie weiterschreiben. Zuerst dachte ich, dass sie maximal 15 Minuten schreiben werden. Als alle nach 30 Minuten immer noch mucksmäuschenstill waren und fieberhaft weiterschrieben, war ich begeistert. Aber nach 45 Minuten wurde es mir dann doch etwas unheimlich und da die Geschichten noch vorgelesen werden sollten, ließ ich sie langsam zu Ende kommen.

Zuerst traute sich keiner und ich nahm meine Schwester dran. Von Vivi wusste ich, dass sie geübt war und bestimmt keine Hemmungen hatte, jetzt nur ein bisschen schüchtern war.
Und so war es auch. Schnell waren alle begeistert von der lustigen Geschichte der Achtklässlerin, die über das ekelhafte Seeungeheuer Doris schrieb, das mit Leidenschaft Wirbelstürme und Tornados aß.

Als nächstes las die zweite schüchterne Achtklässlerin sogar freiwillig vor. Lisa beschrieb, wie der Sturm abflaute und ein komisches Wesen mit einem lauten Platsch! auf dem Bord landete.

Astrids Geschichte war aus der Sicht des 1. Steuermanns Dante geschrieben, der nach dem Sturm auf einer Insel landete und dort auf Gustave stieß. Sie gestaltete ihren Text herrlich spannend und es war ein geschickter Zug, nicht aus der Perspektive der Hauptperson zu schreiben.

Danach waren alle begierig, Walter Moers Lösung zu erfahren und so spielte ich ihnen das ganze erste Hörbuchkapitel zu (ich fragte, ob ich früher abbrechen sollte, aber die Mädels waren begeistert von einer neuen Figur, die Moers einführte).

Die Schreibwerkstatt endete, wie inzwischen üblich, mit mehr als 15 Minuten Verspätung ;)

Erste Stunde - 20. September 2006

Eine Woche lang habe ich Zettelchen in den Klassen verteilt und so versucht, Werbung in den Ziel-Klassen zu machen. Der Termin war mit der Schulleitung abgesprochen. Der Mittwoch bot sich deshalb an, weil der Unterricht wegen Lehrerkonferenzen für alle um 13:10 Uhr endet.

Ich war ziemlich gespannt auf meine Schreiberlinge und hatte bisweilen gemischte Gefühle. Einerseits hatte ich den Eindruck, dass ich doch einige in den Klassen ansprechen und begeistern konnte. Andererseits gibt es mittwochs natürlich auch viel AG-Konkurrenz.

Ich war schon ziemlich früh da und ging im Lateinsaal auf und ab. Schließlich rieb ich die Tafel sauber. Da der Wasserhahn nicht funktioniert staubte es sehr stark und ich wurde noch nervöser. Als es schließlich klingelte machte ich die Tür auf und wartete.

Als um 13:15 Uhr immer noch niemand ankam, begann ich ziemlich stark zu zweifeln. Eigentlich hatte meine jüngere Schwester hoch und heilig versprochen, dass sie kommen würde. Hatte sie es vergessen? Hatten es die anderen auch vergessen?

Die Erleichterung folgte erst nach einige zermürbenden Minuten, als Lisa den Raum betrat. Ihr folgten schnell noch weitere Mädchen, sodass ich letztendlich eine angenehme Gruppe von neun Mädels vor mir hatte.

Für den Einstieg hatte ich mich für ein Erzählspiel entschieden. Zunächst stellte sich jede vor. Zwei kamen aus der achten Klasse, fünf aus der neunten und zwei aus der zehnten Klasse. Die zwei Achtklässlerinnen waren noch ziemlich schüchtern, die beiden Zehnklässlerinnen begeisterten mich sofort. Nur bei den Neuntklässlerinnnen war ich unzufrieden. Zwei schienen sehr engagiert, während drei nur störten und giggelten.

Das Erzählspiel hatte ich am Tag vorher vorbereitet. Ich nahm einen großen Wollknäuel in die Hand, der ziemlich ausgebeult war. Grund dafür waren die zahlreichen Zettelchen und kleinen Päckchen, die an der Schnur befestigt waren. Auf den Zettel standen Begriffe, aus denen die Schülerinnen eine Geschichte spinnen sollten. In den Päckchen waren verschiedene Sachen, die ebenfalls in die Geschichte miteinfließen sollten.



Es ging reihum und jeder bekam einen Zettel. Es wurde eine sehr spannende und lustige Geschichte und handelte von einem dicken Mädchen, dass nach Ägypten flog, um sich dort von den Schneemassen zu erholen, die es zu Hause immer hatte. Aber in Ägypten wurde sie verfolgt und bekam Ärger mit einem Zauberer. So kam eins zum anderen und sie wurde in einen Käfer verwandelt. Glücklicherweise konnte sie fliehen, aber der Zauberer verbannte sie schließlich in den Weltall. Im Weltall selbst traf sie auf Außerirdische, die sie in ein Auto verwandelte. Als sie in einen Erdbeermeteoritenschauer kam, weil ihre Scheinwerfer nicht mehr gingen, verlor sie komplett die Orientierung. Alles in allem schaffte sie es doch noch, dass der Zauberer Mitleid mit ihr hatte. Er verwandelte sie zurück, ging zum Hotel, hörte dort aber merkwürdige Geräusche. Als der Strom ausfiel und sie hinausging, lauerte irgendetwas im dichten Geäst des Waldes auf sie.

So kam der letzte Zettel zum Mädchen und ein Ende musste gefunden werden. Gemeinsam kamen wir schließlich zu dem Schluss, dass das Mädchen nur alles geträumt hatte und am Tag vor ihrer Abflug nach Ägypten aufwachte.

Im Abschlussgespräch zeigten sich die Mädels begeistert, da ihnen das Spiel sehr viel Spaß gemacht hat. Außerdem fanden sie es spannend die Zettel und die Päckchen zu öffnen. Dennoch waren einige verwirrt, da es ja eine Schreibwerkstatt sei und sie in der ersten Stunde einen Stift ja gar nicht in der Hand gehabt haben.

Dennoch war ich zufrieden. Mein Ziel war es gewesen die Mädchen langsam an das eigentliche Thema "Schreiben" heranzuführen. Außerdem konnte ich so schon sehen, wie weit die Mädchen waren und war begeistert. Viele hatten in ihrer Vorstellung berichtet, dass sie schon privat Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben und sogar schon den ein oder anderen Roman in der Schublade haben.

Bis auf die drei giggelnden Neuntklässlerinnen war ich sicher, dass alle wiederkommen würden und behielt auch recht.